Die Bank für Inter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich warnt in ihrem neu­en Jah­res­be­richt vor einer Kon­stel­la­ti­on, die in ihrem Aus­maß an die Finanz­kri­se 2008 erinnert—aber struk­tu­rell gefähr­li­cher ist. Denn dies­mal ist nicht ein pri­va­tes Asset-Seg­ment fra­gil. Fra­gil ist der Markt für Staats­an­lei­hen selbst.


I. Die ver­än­der­te Tektonik

In der Finanz­kri­se 2008 spiel­ten Staats­an­lei­hen eine klar defi­nier­te Rol­le: Sie waren der Flucht­punkt. Wenn pri­va­te Risi­ken kollabierten—Subprime-Hypotheken, ver­brief­te Kre­dit­pa­ke­te, CDOs im CDO-Qua­drat —, flo­hen Kapi­tal und Ver­trau­en in den ver­meint­lich siche­ren Hafen öffent­li­cher Schuld. Das Funk­ti­ons­sys­tem der Finanz­märk­te konn­te sich auf die­sen Anker stützen.

Die Bank für Inter­na­tio­na­len Zah­lungs­aus­gleich (BIZ) beschreibt in ihrem Jah­res­be­richt 2025 eine Kon­stel­la­ti­on, in der die­ser Anker selbst zu trei­ben begon­nen hat[1]Die BIZ sieht die Welt­wirt­schaft am Ran­de einer Finanz­kri­se. Staats­an­lei­hen sind nicht län­ger nur Sicherheitsreserve—sie sind Trans­mis­si­ons­rie­men einer neu­en Fra­gi­li­tät. Die Tek­to­nik des Mark­tes, so die BIZ, habe sich grund­le­gend verändert.

II. Hedge­fonds als sys­tem­re­le­van­te Intermediäre

Der Struk­tur­wan­del ist kon­kret und mess­bar. Der Anteil von Hedge­fonds und ande­ren Nicht­ban­ken an den kurz­lau­fen­den Staats­an­lei­he­be­stän­den fort­ge­schrit­te­ner Volks­wirt­schaf­ten ist von 44 Pro­zent im Jahr 2021 auf 53 Pro­zent im Jahr 2025 gestie­gen. Mit dem Rück­zug der Zen­tral­ban­ken aus die­sen Beständen—dem Quan­ti­ta­ti­ve Tightening—nimmt die­ser Anteil wei­ter zu.

Das ist kein mar­gi­na­ler Ver­schie­bungs­ef­fekt. Es ist eine insti­tu­tio­nel­le Trans­for­ma­ti­on der Markt­ar­chi­tek­tur, die kaum rever­si­bel ist ohne mas­si­ve Markt­in­ter­ven­tio­nen. Ban­ken sind regu­liert, kapi­ta­li­siert und reagie­ren lang­sam. Hedge­fonds han­deln nahe­zu in Echt­zeit, sind kaum regu­liert und trotz­dem eng mit eben jenen trä­gen Ban­ken ver­knüpft. Die Infek­ti­ons­ket­ten sind kurz.

Ent­schei­dend ist dabei nicht das Hebel­ge­schäft als sol­ches, son­dern sei­ne Kon­di­tio­nen. Staats­an­lei­hen wer­den in bila­te­ra­len Repos zuneh­mend ohne Sicherheitsabschlag—ohne Haircut—abgegeben. Rund 70 Pro­zent der Dol­lar-Repos und mehr als 50 Pro­zent der Euro-Repos lau­fen inzwi­schen auf die­se Wei­se. Das ermög­licht, was die BIZ als „exzes­si­ve Hebe­lung” bezeich­net: Posi­tio­nen, die bei Markt- und Zins­an­pas­sun­gen akut anfäl­lig sind und im Stressfa…