Apple Pay – Vorerst kein Handlungsbedarf für die Banken?

Von Ralf Keuper

Bei der Einschätzung der Folgen der Einführung von Apple Pay für die Banken gehen die Ansichten auseinander.

Während Ulrich Dietz in iPhone wird Banken unter Druck setzen davon überzeugt ist, dass das iPhone die Banken unter Zugzwang setzt, sieht Dirk Elsner in dem Beitrag Apple Pay: Vorerst gefahrlos bis auf weiteres nur geringe Auswirkungen von Apple Pay auf die Banken, räumt aber ein, dass die Lösung auch in Europa den Durchbruch für das mobile Bezahlen bringen könnte. Am ausgewogensten ist m.E. der Beitrag Wie viel Potenzial hat Apple Pay?

So weit so gut.

Was mir dabei fehlt, und wo ich grundsätzlich anderer Meinung bin, ist, dass die Auswirkungen für die Banken gravierend sind und weit über Fragen der Hardware hinaus gehen. Sobald die Kunden danach verlangen, werden die Händler sich dem nicht widersetzen können! An Terminals wird die Verbreitung ganz gewiss nicht scheitern – auch nicht in Deutschland.

Wenn Steve Jobs sich von solchen Bedenken hätte leiten lassen; iTunes wäre nie entwickelt worden. Gerade das macht den Erfolg von Apple aus. Die, wenn man so will, Systemsicht und nicht die Detailsicht. Apples Ziel in den letzten Jahren war nicht die Revolution, sondern die Evolution – Systeminnovation. Dass Anbieter proprietärer Bezahl- und anderer Insellösungen hier eine andere Sicht auf Dinge haben, ist verständlich.

Weiterhin zeigt die Tatsache, dass Apple mit den fünf großen Banken der USA Sonderkonditionen für die Abwicklung seiner Zahlungen hat aushandeln können, wie groß die Marktmacht von Apple mittlerweile ist und dass Bankchefs wie Jamie Dimon nicht umsonst Sorge haben, dass die Banken wichtige Erlösquellen in der Transaktionsabwicklung verlieren können. Der Umstand, dass Fragen der Sicherheit und Authentifizierung weitestgehend in den Händen von Apple liegen, ist ein weiterer Schritt in Richtung Disintermediation im Banking und nichts anderes.

Die Tatsache, dass PayPal über Braintree den Anschluss an Apple Pay sucht, zeigt, wie ernst die Mitbewerber die neue Lösung nehmen.

Außerdem verfolgt Apple mit Apple Pay m.E. weitaus mehr, als “nur” das mobile Bezahlen anwenderfreundlicher zu gestalten. Am mobilen Bezahlen hängt noch weitaus mehr Geschäft – z.B. im E-Commerce.

Das schon verdeutlicht, dass die Lage für die Banken ernster ist, als der eine oder andere Kommentator noch immer anzunehmen scheint.

Zum Glück sind mittlerweile in den Banken vermehrt Stimmen zu vernehmen, die, wie Jamie Dimon, ihre Branche vor der Bedrohung durch die Herausforderer wie Apple, Amazon, Alibaba, Google & Co. warnen, wie von Francisco Gonzales von der BBVA und Michael Harte von Barclays.

Update:

Wie heute (12.09.14) bekannt wurde, planen Visa und Mastercard die Verbreitung von NFC in Europa. Demnach sollen bereits ab dem 01. Januar 2015 alle neuen Zahlungsterminals, die Mastercard akzeptieren, NFC-fähig sein. Die alten können noch bis 2018 verwendet werden. Danke für den Hinweis bzw. die Korrektur (siehe Leserkommentar).

Weiterhin: Wie Apple die Banken mit ins Boot holte: Banks Did It Apple’s Way in Payments by Mobile

Und: Apple Pay – Banken zahlen Gebühren an Apple

Weitere Informationen:

Mobile Payments: Waiting Is No Longer an Option

It is not about the payment, it’s about commerce

Der Bezahldienst, der alles verändern könnte – aber eine große Schwäche besitzt

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2 Kommentare zu Apple Pay – Vorerst kein Handlungsbedarf für die Banken?

  1. Andreas sagt:

    Hallo,

    eine kleine Korrektur zum Update. In dem Original Link steht:

    Hierzulande sollen alle neuen Zahlungsterminals, die Mastercard-Zahlungen akzeptieren, bereits ab dem 1. Januar 2015 NFC-fähig sein.

    Es geht also nur um die NEUEN Terminals, die alten Terminals können noch bis 2018 funktionieren.

    Vielen Dank für die Zusammenfassung, guter Beitrag.

  2. Ralf Keuper sagt:

    Danke für den Hinweis!

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