Als sich Bankiers noch der Ortografie widmen konnten

Von Ralf Keuper

Das waren noch Zeiten, als Bankiers der Ortografie noch ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken konnten. Legendär sind die an Pedanterie grenzenden Regeln für die schriftliche Kommunikation, die im Bankhaus von Siegmund Warburg galten, wie Jacques Attali in seiner Biografie über den Bankier schildert:

“Stil” ist Siegmunds Steckenpferd, und das Wort “gediegen” gilt für alles, was bei ihm vorgeht. So sind auch die internen Notizen, die er als “gelbe Blätter” bezeichnet, in sehr gepflegter Form abzufassen. Und es erfüllt ihn mit Stolz, als der Gouverneur der Bank von England ihm eines Tages sagt, seine Briefe seien besser geschrieben als die meisten, die er aus der City bekommt.

Auch die Führungskräfte konnten dem strengen Blick des Chefs nicht entgehen; insbesondere die jüngeren von ihnen. Nichts wurde dem Zufall überlassen:

Einer der “Jungen” muss von jeder wichtigen Sitzung eine Niederschrift anfertigen, die Siegmund dann selbst korrigiert, bevor sie im Haus verteilt wird.

In einer weiteren Anekdote wird davon berichtet, dass Warburg einem leitenden Mitarbeiter am Telefon einen Tadel erteilte, da dieser in einem Brief das Komma an der falschen Stelle gesetzt hatte. Für seine Belehrung brauchte Warburg a…

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