Die NordLB baut ihr Kapitalmarktgeschäft aus – mehr Fund Finance, mehr CLOs, mehr Nähe zum internationalen Investmentbanking. Der neue Kapitalmarktchef kommt von PwC, davor von Barclays Capital und WestLB. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines strukturellen Musters, das Landesbanken seit Jahrzehnten begleitet – und das schon einmal, bei der Schiffsfinanzierung, in eine handfeste Krise geführt hat.
Laut einem aktuellen Bloomberg-Bericht[1]NordLB baut das Kapitalmarktgeschäft unter neuer Führung aus treibt die Bank unter ihrem neuen Kapitalmarktchef Andreas Feiner den Ausbau von Fund Finance und die Strukturierung von Collateralized Loan Obligations (CLOs) voran. Feiner selbst wechselte zum Jahreswechsel von PricewaterhouseCoopers zur NordLB, wo er zuvor als Equity Partner den Bereich Sustainability mitverantwortete; seine Kapitalmarkterfahrung stammt aus früheren Stationen bei Barclays Capital und der WestLB. In der offiziellen Verlautbarung der Bank ist von der Absicht die Rede, das Markets-Geschäft als “integrierte Produkt- und Serviceplattform” zu positionieren.
Auf den ersten Blick liest sich das wie eine plausible Wachstums- und Diversifikationsentscheidung. Fund Finance erlaubt bankseitig relativ skalierbare, besicherte Finanzierungsstrukturen. CLOs erschließen eine Verbriefungslogik, die zusätzliche Ertragsquellen jenseits der klassischen Bilanzfinanzierung eröffnet. Der Rückgriff auf Feiners Erfahrung mit der Finanzierung der Energiewende passt zu einem Kerngeschäftsfeld, das die NordLB traditionell schon besetzt: Structured Finance im Energie- und Infrastruktursektor gehört seit Langem zu ihren Kernsegmenten. Insofern handelt es sich bei CLOs und Fund Finance eher um eine Erweiterung des Instrumentenkastens als um eine Neuerfindung des Geschäftsmodells.
Ein Muster, kein Einzelfall
Interessanter als die einzelnen Produktentscheidungen ist die Wiederholungsstruktur, die sich dahinter erkennen lässt. Landesbanken tragen einen bewusst konservativ und margenarm angelegten öffentlichen Auftrag: Verbundgeschäft mit Sparkassen, Finanzierung der öffentlichen Hand, Begleitung des regionalen Mittelstands. Genau diese politisch gewollte Zurückhaltung erzeugt strukturellen Ertragsdruck. Wenn das Kerngeschäft zu wenig abwirft, bleibt vielen Landesbanken irgendwann nur der Weg in margenträchtigere, aber institutionell weniger vertraute Terrains – und das führt fast zwangsläufig in Richtung des internationalen Investmentbanking.
Die NordLB hat dieses Muster bereits einmal in voller Konsequenz durchlaufen. Vor der Finanzkrise positionierte sie sich als einer der größten Schiffsfinanzierer weltweit – ebenfalls in der Logik, ein margenarmes Kerngeschäft durch ein spezialisiertes, ertragsstärkeres Segment zu ergänzen. Als der Schiffsmarkt ab 2008 einbrach, saß die Bank auf notleidenden Krediten in Milliardenhöhe, benötigte mehrfach staatliche Stützung und musste am Ende eine Neuordnung ihrer Eigentümerstruktur hinnehmen. Die Abfolge war damals: zu geringe Marge im Kerngeschäft, Ausweichen in ein margenträchtigeres, aber unzureichend beherrschtes Risikosegment, Konzentration von Klumpenrisiken, die in der Breite nicht mehr steuerbar waren.
Der Unterschied liegt nicht nur in der Infrastruktur
References
