Vom Zei­tungs­jun­gen über wag­hal­si­ge Flug­zeug­über­füh­run­gen für die Roy­al Air Force zum Mil­li­ar­där, der drei­mal das größ­te Hotel der Welt bau­te, MGM zwei­mal kauf­te und Howard Hug­hes zur Ver­zweif­lung trieb – Wil­liam C. Rem­pels Bio­gra­fie The Gam­bler: How Pen­ni­less Dro­pout Kirk Ker­k­ori­an Beca­me the Grea­test Deal Maker in Capi­ta­list Histo­ry über Kirk Ker­k­ori­an erzählt ein Unter­neh­mer­le­ben zwi­schen Kriegs­ge­fahr über dem Nord­at­lan­tik, Las-Vegas-Casi­nos, Detroi­ter Auto­kon­zer­nen und Hol­ly­woods größ­tem Film­stu­dio, das noch weit jen­seits der Acht­zig nach dem nächs­ten gro­ßen Deal Aus­schau hielt. Dazu gehö­ren eine Mil­li­ar­de Dol­lar Spen­den für wohl­tä­ti­ge Zwe­cke, vor allem für Arme­ni­en – aber auch die Schat­ten­sei­ten: ein jah­re­lan­ger Vater­schafts- und Unter­halts­streit, der bis über sei­nen Tod hin­aus reichte.


Es beginnt, wie sol­che Geschich­ten oft begin­nen: mit einem Vater, der schei­tert, und einem Sohn, der dar­aus etwas macht. Ahron Ker­k­ori­an, Ein­wan­de­rer aus Arme­ni­en, ver­sucht sich in Kali­for­ni­en als Obst- und Gemü­se­händ­ler, ver­dient Geld, ver­liert es wie­der, ver­dient neu­es Geld, ver­liert auch das. Am ein­drück­lichs­ten ist die Epi­so­de um die Was­ser­me­lo­nen: Ein unge­wöhn­lich küh­ler, bewölk­ter Som­mer im Impe­ri­al Val­ley lässt die dor­ti­gen Was­ser­me­lo­nen­bau­ern um ihre Ern­te fürch­ten, vie­le geben auf und stel­len die Bewäs­se­rung ein. Ahron sieht dar­in kei­ne Kata­stro­phe, son­dern eine Gele­gen­heit, fährt mit sei­nem letz­ten Bar­geld los und kauft die Ern­ten auf. Als die Son­ne zurück­kehrt, sitzt er auf Last­wa­gen vol­ler rei­fer Melo­nen in einem Markt, der plötz­lich Man­gel hat. Der Gewinn ist beträcht­lich – und inner­halb weni­ger Jah­re wie­der ver­spielt, ver­aus­gabt, ver­lo­ren. Die Fami­lie zieht um, wie­der und wieder.

Aus die­sem Auf und Ab zieht der jun­ge Kirk offen­bar zwei Din­ge: die Bereit­schaft, in Momen­ten all­ge­mei­ner Ver­un­si­che­rung zu han­deln, wo ande­re zögern, und eine bemer­kens­wer­te Gelas­sen­heit im Umgang mit Ver­lust. Er ame­ri­ca­ni­siert früh sei­nen Namen, ver­dient als Zei­tungs­jun­ge, wird an wech­seln­den Schu­len zum Ziel und dann zum Riva­len von Ran­ge­lei­en, die er mit einer Stur­heit durch­steht, die schon damals mehr über ihn aus­sagt als sei­ne schu­li­schen Leis­tun­gen, die mäßig blei­ben. Für kur­ze Zeit ver­sucht er sich sogar als Ama­teur­bo­xer, unter dem Ring­na­men “Rif­le Right Ker­k­ori­an” – eine Epi­so­de, die nicht lan­ge andau­ert, aber zu sei­ner sons­ti­gen Nei­gung passt, sich kör­per­lich wie geschäft­lich nicht kampf­los zurück­zu­zie­hen. Die Schu­le selbst inter­es­siert ihn wenig; die Welt, wie Rem­pel notiert, ist für ihn geo­gra­fisch klein und öko­no­misch groß.

Sei­ne eigent­li­che flie­ge­ri­sche Prä­gung erhält Ker­k­ori­an im Zwei­ten Welt­krieg, aller­dings nicht in Uni­form: Er mel­det sich als Zivil­pi­lot beim RAF Fer­ry Com­mand, jenem Pro­gramm, mit dem in Kana­da und den USA gebau­te Kampf­flug­zeu­ge über den Nord­at­lan­tik nach Groß­bri­tan­ni­en über­führt wur­den. Die Rou­te war unter Pilo­ten gefürch­tet – unzu­rei­chen­de Reich­wei­te selbst mit Zusatz­tanks, unbe­re­chen­ba­re Wet­ter­la­gen über dem offe­nen Meer, Ver­ei­sung der Trag­flä­chen, kaum Navi­ga­ti­ons­hil­fen. Vie­le Besat­zun­gen kamen bei die­sen Über­füh­rungs­flü­gen ums Leben. Ker­k­ori­an, der zuvor knapp sei­nen Lebens­un­ter­halt als Boxer und Gele­gen­heits­ar­bei­ter ver­dient hat­te, fliegt in gut zwei Jah­ren rund drei Dut­zend Maschi­nen über den Atlan­tik, dar­un­ter die zwei­mo­to­ri­ge de Havilland Mos­qui­to, und sam­melt dabei nicht nur Flug­geld, son­dern auch genau jene Kalt­blü­tig­keit im Umgang mit hohem, kal­ku­lier­tem Risi­ko, die sein spä­te­res Geschäfts­le­ben prä…