Weshalb die Digitalisierung nicht das Hauptproblem der Banken ist #2

Von Ralf Keuper

Um die einschneidenden Veränderungen zu beschreiben, denen die Wirtschaft und Gesellschaft ausgesetzt sind, reicht für gewöhnlich der Hinweis auf die Digitalisierung; so als wären erst seit wenigen Monaten Computer oder andere Informationsverarbeitungssysteme im Einsatz (Vgl. dazu: Weshalb die Digitalisierung nicht das Hauptproblem der Banken ist). Wer kritischen Nachfragen gleich zu Beginn den Nährboden entziehen will, braucht nur noch die Bedeutung des Internet hinzuzufügen. Für den Fall, dass selbst dann noch  Skepsis aufkeimt, empfiehlt sich der Verweis auf die Künstliche Intelligenz und nicht zuletzt die Blockchain.

Angesichts dessen ist man geneigt, Matthias Horx zuzustimmen, wenn er die Digitalisierung als alten Hut bezeichnet und davor warnt, nicht jedem Hype aufzusitzen. Die Diskussion um die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz trägt für Horx beinahe surreale Züge. Bis auf weiteres werden Roboter den Menschen nicht ersetzen können bzw. zu Gefühlen fähig sein, denn dazu ist noch immer ein Körper aus Fleisch und Blut erforderlich. Was das betrifft, befindet sich Horx auf einer Linie mit dem Hirnforscher Antonio Damasio, der in seinem Buch Descartes‘ Irrtum die Bedeutung des menschlichen Körpers für das Denken herausgestellt hat.

Vor einiger Zeit schrieb ich dazu auf diesem Blog:

Die Digitalisierung im eigentlichen Sinn, d.h. die Überführung analoger Größen in diskrete Werte, zu dem Zweck, sie elektronisch zu speichern und zu verarbeiten, kann nicht das Problem der Banken sein. Eher schon das Wechselspiel mit dem Internet und den Mobilen Endgeräten. Das aber ist weniger aus Sicht der fortschreitenden Digitalisierung ein Problem, sondern eher wegen der veränderten Mediennutzung sowie generell des Medienwandels.

Das trifft es m.E. noch immer. In dem Beitrag In the new age of ubiquitous connectivity the message is the medium vertritt Tom Goodwin die Ansicht, dass wir uns bereits in einem post-digitalen Zeitalter befinden. Statt wie bislang einzelne vertikal organisierte Medienkanäle hätten wir mittlerweile horizontale  layer of contents. Insofern ist der Sonderforschungsbereich Medien der Kooperation der Uni Siegen auf dem richtigen Weg. In der Projektbeschreibung heisst es:

Vor der Digitalisierung war ein Telefon ein Apparat mit einer einzigen Funktion, heute ermöglichen Smartphones drahtlos den Zugriff auf Datenspeicher im Internet sowie auf vernetzte soziale Plattformen und so die kooperative Interaktion zwischen Millionen Menschen. Damit müssen nun auch klassische  Einzelmedien als Medien der Kooperation noch einmal anders verstanden werden.

Diese neue Phase der Digitalisierung, oder wie Goodwin es nennt, das post-digitale Zeitalter hat zur Entstehung der neuen Organisation der Plattform geführt und damit zur Plattformökonomie, für die Apple, Google, Alibaba, facebook und Amazon stehen. Dieses Phänomen ist relativ neu und eine große Herausforderung für alle Unternehmen, deren Leistungen besonders informations- und technologieintensiv und auf Kooperation ausgelegt bzw. angewiesen sind, und deren Organisationsmodelle sich noch am Industriezeitalter orientieren, wie Banken.

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