Die Wärmewende wird meist als Technikfrage verhandelt: Wärmepumpe, Fernwärme, Geothermie. Für eine Bank ist ein Wärmenetz zunächst ein Kreditfall mit langer Laufzeit, hoher Vorleistung und Erlösen, die erst fließen, wenn die Kunden tatsächlich angeschlossen sind.
Der Bedarf ist erheblich. Eine PwC-Studie im Auftrag der KfW setzt für Energieversorger und Stadtwerke bis 2045 Investitionen von 535 Milliarden Euro an, darunter rund 280 Milliarden Euro für Wärmeerzeugung (217 Milliarden) und Wärmenetze (62 Milliarden). Bis 2035 fallen 343 Milliarden Euro an, das sind knapp zwei Drittel. Davon ist nur ein kleiner Teil Eigenkapital: Den externen Finanzierungsbedarf beziffert die Studie bis 2045 auf rund 346 Milliarden Euro, davon 299 Milliarden Fremd- und 47 Milliarden Eigenkapital. Wer von einem Eigenkapitalengpass spricht, muss also erklären, warum ein Anteil von etwa 14 Prozent so schwer wiegt.
Der Planungsstand ist überschaubar: Laut einer Präsentation von DZ-Bank-Referenten vom 1. Juli 2026 haben 48 Prozent der Kommunen die kommunale Wärmeplanung begonnen, 13 Prozent haben sie abgeschlossen.
Eigenkapital: kleiner Betrag, große Hebelwirkung
Die Angaben zur Innenfinanzierung, also zu Investitionen aus eigenen Erträgen, gehen auseinander. Eine PwC-Umfrage ergab, dass Energieversorger im Schnitt nur noch rund 30 Prozent ihres Investitionsbedarfs auf diesem Weg decken können. Die KfW/PwC-Studie rechnet dagegen für die Zeit bis 2035 mit rund 15 Prozent. In einer Stadtwerkestudie 2026, über die der Branchenverband BDEW berichtet, erwarten 92 Prozent der Befragten, dass externe Finanzierungsinstrumente nötig werden. Das umfasst Fremd- und Eigenmittel und sagt über den Eigenkapitalbedarf allein nichts.
Eigenkapital wirkt über die Kennzahlen. Nach der KfW-Studie liegen die Mindestanforderungen für Energieversorger bei der Bankfinanzierung üblicherweise bei 20 bis 25 Prozent Eigenkapitalquote. Die untersuchte Versorgergruppe mit den schwächsten Bilanzen kommt im Schnitt auf genau 20 Prozent. Der Berater Michael Seidel vom Beratungsunternehmen BET beschrieb in einem älteren ZfK-Beitrag (nach Ende 2023; ein Erscheinungsdatum ist nicht angegeben), dass ein dynamischer Verschuldungsgrad ab 4,5 oft die Bereitschaft der Banken mindert; die damaligen Stadtwerkewerte lagen laut Text bei 3,0 bis 3,5.
Ingmar Kohl, Bereichsleiter Kommunale Wärmelösungen beim Energiedienstleister Iqony und damit selbst potenzieller Wärmepartner, sagte der ZfK im August 2026, Banken und andere Finanzierer legten oft Wert darauf, dass ein auf Wärmeversorgung spezialisierter Partner beteiligt ist, der die Risiken beherrscht.
Rückgriff: Das Netzrisiko landet in der Stadtwerke-Bilanz
Dominic Hereth, Geschäftsführer der Finance Connect, schreibt in einem Gastbeitrag in der ZfK vom 3. September 2026: Neue Wärmenetze sind wegen Bau- und Anschlussrisiken anfangs häufig nicht ohne Rückgriff auf das Stadtwerk finanzierbar. Er zählt sie deshalb nicht zu den klar für Projektfinanzierung geeigneten Vorhaben und nennt eher Projekte für erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Stromnetze. Finance Connect unterstützt Stadtwerke bei der Kapitalaufnahme und hat ein Eigeninteresse an solchen Strukturen. Bei Projektfinanzierungen, so Hereth, bemessen Banken den Kredit an der Kapitaldienstfähigkeit des Projekts, was meist zu einer höheren Fremdkapitalquote führt als bei der Finanzierung gegen die Gesamtbilanz. Eine Vollkonsolidierung des gesamten Kreditbetrags rechtfertige keine implizite Nachschusspflicht: Im Krisenfall würde das Stadtwerk zusätzliches Eigenkapital zuschießen, nicht den vollen Kredit übernehmen.
Verschärfend kommt hinzu, dass Wärmenetze anders als Strom- und Gasn…
