Unternehmen, Medien und kritische Gesellschaft (Alfred Herrhausen)

Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele Unternehmen und Unternehmer den Dialog mit den Medien noch nicht als ständige unternehmerische Aufgabe begreifen. Die Medien werden oft weniger als Partner denn als Gegner begriffen, der sich nur für das Unternehmen interessiert, wenn es in Schwierigkeiten steckt. Der Dialog schließt natürlich Kritik ein – Kritik an uns und unserem Verhalten.. . Wir brauchen beides: Berichterstattung und Kommentierung, aber eine Kommentierung der Wirklichkeit, nicht eine solche der Unwirklichkeit. Das setzt auf unserer Seite Offenheit in des Wortes direkter Bedeutung voraus. Wir müssen sagen, was ist, d.h., wir dürfen nicht verschweigen oder verdecken. Bemühen wir uns also um Offenheit. .. Ob vereinfacht oder kompliziert – notwendig ist Überblick. Aber er setzt Distanz – kritische Distanz – voraus. Halten wir Abstand. Nähern wir uns allenfalls auf Sichtweise. Dies hat nichts mit Berührungsangst zu tun und schon gar nicht mit Überheblichkeit. Es bedeutet vielmehr auch kritische Distanz zu uns selbst. Wirtschaft ist wegen des Objekts ihrer Fürsorge immer in der Gefahr der distanzlosen Selbstbezogenheit. Sie tendiert dadurch medienpolitisch zur Hofberichterstattung. Dem muss eine unvoreingenommene Medienbranche entgegenwirken.

Quelle: Alfred Herrhausen. Macht, Politik und Moral, hrsg. von Dieter Balkhausen

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