Sparkassen hadern mit der Zukunft und üben sich in Selbstdemontage

Von Ralf Keuper
Als hätte Paydirekt nicht schon genug mit Skepsis zu kämpfen, da gießt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon selber noch Öl ins Feuer. Vor den verblüfften Zuhörern  auf der Handelsblatt-Konferenz Banken im Umbruch äußerte Fahrenschon Zweifel an der Sicherheit des gemeinsamen Bezahlverfahrens der deutschen Kreditwirtschaft, wie in Paypal-Konkurrent Paydirekt demontiert sich selbst zu erfahren ist. Zwar ließ die Presseabteilung des DSGV daraufhin verlauten, der Präsident habe keinesfalls sagen wollen, dass Paydirekt unsicher sei; da war der Image-Schaden bereits eingetreten. 
Die Äußerung passt ohnehin in das diffuse Bild, das die Sparkassen seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit abgeben. Erinnert sei nur an die Aktion des Westfälisch-Lippischen Sparkassen-Giroverbandes (WLSGV) unter Führung ihres Präsidenten Rolf Gerlach, nebenbei Vizepräsident des DSGV, die sich nur mit viel Wohlwollen als nicht vollständig durchdacht bezeichnen lässt. Es ist zu hoffen, dass die von einigen Kommentatoren als Westfälischer Friede bezeichnete Einigung zwischen dem DSGV und dem WLSGV, ganz im Interesse der Beteiligten, nicht in die Chroniken eingehen wird, und, um mit Helmut Kohl zu sprechen, sich möglichst bald der Mantel der Geschichte schweigend über diese Posse legen und sie aus dem kollektiven Gedächtnis löschen möge. 
Überhaupt ist derzeit keine klare Strategie im Sparkassenlager zu erkennen, wie man auf den medialen und digitalen Wandel in der Bankenbranche zu reagieren gedenkt. Außer dem Bekenntnis zur Filiale ist wenig zu vernehmen. Die Sparkassen sind dabei, die Digitalisierung zu verpassen. Die zögerliche Beteiligung an Paydirekt, der zuvor durchgeführte Kauf von Payone durch den Deutschen Sparkassenverlag, der Streit um den gemeinsamen Haftungsverbund, die Aktion vom vergangenen Donnerstag – das alles sind Zeichen, die darauf hindeuten, dass die Sparkassen als Organisation an ihre Grenzen gelangt sind. Aus der Zeit gefallen. 
So wird das nichts mehr. 
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