Robotic Process Automation (RPA) im Banking

Von Ralf Keuper

Vor einigen Wochen sorgte der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, mit folgender Aussage für einiges Aufsehen:

In our banks we have people behaving like robots doing mechanical things, tomorrow we’re going to have robots behaving like people ..

We have to find new ways of employing people and maybe people need to find new ways of spending their time… The truthful answer is we won’t need as many people.

Bislang beschränkte sich Einsatz von Robotern vorwiegend auf die Industrie. In naher Zukunft könnten Roboter im Banking eine ähnliche Verbreitung erlangen wie zuvor im verarbeitenden Gewerbe, und zwar in Form der sog. Robotic Process Automation (RPA) bzw. von Software-Robotern.

Worum es bei RPA geht, erläutert Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer in einem Video:

Mit der Robotic Process Automation können Verwaltungsfunktionen ebenso rationalisiert werden, wie zuvor die Tätigkeiten in der Produktion:

Einfache Anwendungsfälle, die sich häufig wiederholen, in großer Zahl anfallen, durch gesetzliche oder Geschäftsregeln gesteuert werden und nur wenige, unbedingt vom Menschen zu bearbeitende Ausnahmen enthalten, können dann einer weiteren automatischen Bearbeitung zugeführt werden. Der menschliche Bearbeiter wird dann, wie in der Fertigung, durch einen Software-Roboter ersetzt (Quelle: Robotic Process Automation – Revolution der Unternehmenssoftware, von August-Wilhelm Scheer, in: IM + IO September 2017).

Der Vorzug der RPA aus Sicht des CIO bzw. der IT-Strategie besteht laut Scheer darin, dass die vorhandenen IT-Systeme davon weitgehend unberührt bleiben:

Es wird lediglich die Bedienung, die bisher von Sachbearbeitern ausgeführt wurde, von Software abgelöst. Der Software-Roboter verhält sich wie der Sachbearbeiter. Er bedient sich dabei z.B. einer virtuellen Tastatur oder einer virtuellen Maus. Da die Anwendungssysteme nicht (oder kaum) verändert werden, wird die strategische Softwarearchitektur des Unternehmens nicht berührt und führt zu keinem Aufwand und Entscheidungsbedarf des CIO des Unternehmens (ebd.).

Künftig wird das Aufgabenspektrum der Software-Roboter um die Methoden der Künstlichen Intelligenz erweitert:

Der Roboter kann dann natürliche Sprachen verstehen, erkennt und interpretiert strukturierte und unstrukturierte Daten (z.B. E-Mails) und verfügt über kognitive Lernfähigkeiten. Mit diesem intelligenten RPA (IRPA) können dann auch komplexere Geschäftsprozesse automatisiert werden (ebd.).

Einsatzfelder im Banking

Nach Ansicht von Dr. Udo Milkau, Leiter der Abteilung Geschäftsfeldsteuerung im Bereich Operations & Services der DZ BANK AG, werden Künstliche Intelligenz und die Robotic Process Automation das Transaction Banking stark verändern. In der Deutschen Bank wird Robotic Process Automation bereits im großen Umfang in den Bereichen trade finance, cash operations, loan operations und tax eingesetzt, wie in RPA proving its transformational value at Deutsche Bank berichtet wird.

Für die dänische Danske-Bank hat das Thema RPA ebenfalls Priorität (Vgl. dazu: Robotic Process Automation (RPA) within Danske Bank).

Großes Automatisierungspotanzial liegt nach Ansicht einiger Branchenbeobachter im Bereich Compliance, wie in Will robotic process automation herald a new digital era in regulatory compliance in banks? zu erfahren ist:

Banks are constantly looking to improvise their regulatory compliance processes, for optimising costs while ensuring adequate oversight and accurate reporting. The success of RPA in the last couple of years, in automation of routine rule based operations for trimming down costs while increasing productivity of organisations across industries, has compelled Banks to turn their attention to similar processes in compliance. The possibility of entrusting RPA’s digital workforce with the “swivel chair” processes of compliance and regulatory reporting – around gathering data and information from multiple systems, and also from unstructured emails, manually compiled reports, and spreadsheets etc., processing those inputs using rules, and then entering the outputs into another set of systems like ERP, CRM, MIS or regulatory reporting – sounds promising.

Vorläufige Einschätzung:

Die Bedeutung der Robotic Process Automation wurde mir in einem persönlichen Gespräch mit Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer während des Scheer Digital World Congress vergangene Woche in Frankfurt bewusst.

Nach meinem Eindruck handelt es sich hierbei um keinen Hype, sondern um eine langfristige Entwicklung. Die RPA führt die Prozessautomatisierung (BPM, Workflow-Management-Systeme, Business Rules Management, BPMN, Process Mining) der letzten Jahre/Jahrzehnte logisch weiter.

Wie groß der Anpassungsbedarf auf technischer und organisatorischer Seite wirklich ist, muss sich in der Praxis zeigen. Ohne sorgfältige Planung im Vorfeld und einen ausgiebigen Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen, wird die Einführung von RPA, wie Nicolas Hess von Roboyo zu bedenken gibt, die Erwartungen nicht erfüllen:

Ein offensichtlicher Grund, warum RPA kompliziert in seiner Implementierung sein kann, ist ihre Komplexität. Die Automatisierung des “Happy Paths” (der Teil des Prozesses, bei dem nichts schief geht) kann einfach sein, wenn die darunter liegenden Systeme gut analysiert wurden. Jedoch kann das Erfassen aller Ausnahmefälle Zeit kosten und spezielle Fähigkeiten in der richtigen Analyse der Prozesse benötigen (Quelle: Was von RPA zu erwarten ist – und was nicht, in: IM + IO September 2017).

RPA entspricht in etwa dem, was der Soziologe Daniel Bell in seinem Klassiker Die Postindustrielle Gesellschaft als Intellektuelle Technologie bezeichnete (Vgl. dazu:Banking in der nachindustriellen Gesellschaft – Daniel Bell reloaded).

Offene Fragen:

Trotz der genannten Argumente bzw. Belege, die bei der RPA für eine nachhaltige Entwicklung sprechen, bleiben noch einige offene Fragen:

  • Wie kann sichergestellt werden, dass Software-Roboter nicht gehackt werden und damit unter fremde Kontrolle geraten?
  • Wie können die Komplexitätsfalle und das Overengineering verhindert werden?
  • Benötigt das RPA nicht auch lose Kopplungen (Niklas Luhmann), die verhindern, dass es im Fehlerfall zu Kettenreatkionen/Kaskadeneffekten kommt?
  • Wird mit dem RPA das explizite gegenüber dem impliziten Wissen nicht überbetont?
  • Wie kann das RPA, wie können Softwareroboter den sog. Reflective Mode (Donald Norman) fördern? (Vgl. dazu: Werkzeuge für das New Banking: Zwischen Experiental und Reflective Mode)

Weitere Informationen:

Deutsche Bank CEO suggests robots could replace half the company’s 97,000 employees

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Ein Kommentar zu Robotic Process Automation (RPA) im Banking

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