Open Banking – so wie es die ING versteht

Von Ralf Keuper

Was sollte mit dem Open Banking und der Umsetzung von PSD2 nicht alles besser für die Kunden werden. Sie könnten zwischen verschiedenen Anbietern wählen und ihre Daten durch Dritte verwerten lassen, Entwickler und Startups um die Open APIs der Banken neue Services kreieren. Nun, die ING scheint Open Banking anders zu interpretieren, wie in Wie sich die deutsche ING ihre eigene PSD2-Welt schafft zu erfahren ist. Die Kunden sind darüber nicht wirklich erfreut.

Eine Stimme von vielen (Wolfgang)

Wenn ich hier so die Kommentare zur Gemüte führe und die aufschlussreichen Antworten von ING lese, dann Online-Banking adieu.
Seit mehr als 15 Jahre bin ich bis jetzt zufriedener Bankkunde der DiBa, aber was da den Kunden (wenn es so etwas noch gibt) zugemutet wird ist für mich ungeheuerlich. Ic h werde eine für mich zufriedenstellende Alternative finden. Tschüss ING

Das alles muss nicht bedeuten, dass die Kunden tatsächlich der ING den Rücken kehren. Jedoch entsteht der Eindruck, als wolle die ING sich ein – mehr oder weniger – geschlossenes System schaffen – womöglich ist es das, was die Bank unter Beyond Banking versteht. Der Plan könnte aufgehen, würde die ING über Produkte und Services verfügen, die einen Lock-In-Effekt erzeugen, der einen Wechsel zu anderen Anbietern unattraktiv macht. Bei allem Respekt: So schön ist die ING dann doch nicht. Diesen Luxus können sich nur wenige Unternehmen – wie Apple – leisten und auch hier muss täglich der Nachweis erbracht werden, dass die Alternativen zu unattraktiv sind.

Es zeigt sich einmal mehr, dass die Banken noch immer dem Glauben verhaftet sind, es alleine schaffen und eigene Ökosysteme aufbauen zu können, die es mit Google, Apple, Amazon und Co. aufnehmen können. Leider fehlen dazu die wichtigsten Bestandteile – hier in Kurzform: Die Herrschaft über die digitalen Kontrollpunkte (Payments, ID, Hardware, Betriebssysteme, Entwicklercommunities, App-Stores, Messaging-Dienste, soziale Netzwerke). Das Vorgehen der ING ist ziemlich stumpf – wie in der guten alten Zeit per ordre du mufti. Da sind GAFA & Co. deutlich geschickter.

Wenn die Kunden demnächst nur noch die Wahl zwischen geschlossenen Systemen haben, warum dann nicht gleich die Originale und nicht die schlechten Kopien wählen? Mit Blick auf die neuesten Erweiterungen der Google Pay API dürfte für viele Nutzer und Unternehmen die Entscheidung relativ leicht sein.

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