IT-Dienstleister im Banking: Erfolgreich und doch gefährdet

Von Ralf Keuper

Von der fortschreitenden Digitalisierung im Banking sind die IT-Dienstleister naturgemäß in besonderer Weise betroffen. Auf diesen Umstand weist der Beitrag IT-Dienstleister – Groß, erfolgreich – und gefährdet am Beispiel der msg systems AG hin.

Bei msg systems handelt es sich um einen der erfolgreichsten IT-Dienstleister in Deutschland. Das Unternehmen hat ca. 6.500 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von zuletzt 812 Millionen Euro. Auch der Gewinn kann sich sehen lassen: Laut SZ betrug er im vergangenen Jahr 50 Mio. Euro.

Dennoch macht sich Vorstandschef und Gründer Hans Zehetmaier derzeit intensive Gedanken um die Zukunft seines Unternehmens, wie überhaupt der Branche. Künftig sei für Unternehmen nur noch Standardsoftware wirtschaftlich. Die Zeiten der Individualsoftware, der auch msg einen großen Teil seines Erfolges verdankt, sind vorbei.

Ein Schwerpunkt von msg ist die Versicherungsbranche, wie mit der msg.P&C Factory. Im Banking ist das Unternehmen mit den Produkten BSM Meldewesen, msg Gillardon und Finnova vertreten. Von wenig Erfolg gekrönt war dagegen die Übernahme der COR AG und die anschließende Fusion mit der FJA zur COR&FJA AG. Die Banksparte wurde im Jahr 2013 an die französische Sopra Banking S.A. veräußert. Die verbleibende COR&FJA AG wurden danach msg life umbenannt.

Inzwischen drängen weitere Unternehmen mit ihren Standardlösungen in den Versicherungsmarkt, darunter auch die Dortmunder adesso AG, die in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt hat. Adesso ist auch im Banking aktiv. Adesso ist ähnlich aufgestellt wie msg, ist jedoch im Bereich mobile Lösungen nach meinen Eindruck einen Schritt weiter.

Ein weiterer großer IT-Dienstleister ist GFT Technologies. Nachdem Großkunden wie Deutsche Bank und Barclays ihre Aufträge kurzfristig storniert haben und das Geschäft mit kleineren Kunden diesen Rückgang nicht hat auffangen können, ist die Börse leicht irritiert.

Wenn schon die großen IT-Dienstleister mit dem Wettbewerbsumfeld zu kämpfen haben, um wie viel mehr gilt das dann für die kleinen und mittleren IT-Dienstleister? Deren Geschäftsmodell basiert in den meisten Fällen in der Softwareentwicklung auf der Individualsoftware und auf Beratungsseite auf der Systemintegration. Nicht nur die Deutsche Bank ist bei der Auftragsvergabe – aus bekannten Gründen – zurückhaltender geworden. Über die Jahre, Jahrzehnte haben vor allem die kleineren und mittleren IT-Dienstleister davon profitiert, dass die Fachabteilungen häufig freie Hand hatten und die Entwicklung von Applikationen beauftragen konnten, ohne dass die IT ein Veto hätte einlegen können. Folge davon sind die häufig erwähnten Spaghetti-Systemlandschaften einiger Banken. Die Konsolidierung, d.h. die Entflechtung der Systemlandschaften, der verstärkte Einsatz von Standardsoftware, die Konkurrenz durch Fintech- und Insurtech-Startups, führt dazu, dass kleine und mittlere IT-Dienstleister an den Rand gedrängt werden. Ganz zu schweigen von dem Trend hin zu digitalen Plattformen, welche das Geschäftsmodell der Bankenbranche unterminieren. Davon sind auch die größeren IT-Dienstleister betroffen. Diebold Nixdorf ist eines der ersten großen IT-Unternehmen, das diesen Wandel mit voller Wucht zu spüren bekommt.

Das Geschäft war schon mal einfacher …

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