Einige Anmerkungen zur Entwicklung auf dem Bankenmarkt

Von Ralf Keuper

Ein näherer Blick auf die Bankenlandschaft der letzten Jahrzehnte in Deutschland zeigt, dass die Zahl neuer Institute sehr überschaubar ist. Eigentlich haben es im größeren Stil nur die Direktbanken, Absatzfinanzierungsgesellschaften, Autobanken und Umweltbanken geschafft, sich am Markt durchzusetzen, also Institute, die sich auf ein bestimmtes, relativ überschaubares Segment spezialisiert haben. 

Berücksichtigt man allerdings die Tatsache, dass sich die Direktbanken fast ausnahmslos im Besitz großer Bankkonzerne befinden, die Autobanken zu finanzkräftigen Industriekonzernen gehören, die Mehrzahl der Absatzfinanzierungs- und Leasinggesellschaften Bestandteil größerer Finanzkonzerne sind und auch eine Ethik- und Umweltbank wie die GLS Bank dem Verband der Genossenschaftsbanken angehört, ist auch hier die Zahl neuer, unabhängiger Anbieter sehr überschaubar. Häufig handelt es sich dabei um Töchter ausländischer Banken. Die Eintrittsbarrieren und die damit verbundenen Kosten, genannt seien nur die regulatorischen Bestimmungen, sind für neue Spieler eine große Hürde. 

Insofern werden sich neue Anbieter hüten, alles aus einer Hand anzubieten, sondern sich auf bestimmte Bereiche konzentrieren, in denen sie ihre Größenvorteile und/oder ihr spezielles Know How ausspielen können. Hierzu zählen neben Google, Amazon, PayPal und Apple auch einige FinTech Startups. Eine weitere Variante ist die Kooperation mit Banken, wie die von Alibaba in China mit der Minsheng Bank.  

Interessant bzw. brisant wird künftig die Frage der Rollenverteilung sein. Wer hat den direkten Zugang zum Kunden? Sollte die Bank als Plattform Realität werden, werden sich auch hier die Rollen verschieben. Neue Erlös- und Preismodelle müssen gefunden werden.

Vor einigen Tagen berichtete Banking Technology von einer Umfrage, die von dem französischen Verband der Retailbanken und Infosys durchgeführt wurde. Demnach erkennt ein großer Teil der befragten Banken in Google ihren größten (potenziellen) Mitbewerber. 

In einem Interview mit der Zeitung Die Presse sprach der Philosoph Richard David Precht kürzlich von der Superbank Google, die demnächst die Finanzmärkte nach Belieben beherrschen könnte. 

Schaun mer mal. 
Dieser Beitrag wurde unter Banking veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.