Mit dem Beitritt der DZ Bank zu Qivalis Ende Dezember 2025 formiert sich ein europäisches Bankenbündnis, das mit einem regulierten Euro-Stablecoin die Abhängigkeit von US-Anbietern verringern will. Doch hinter der Fassade strategischer Weitsicht verbergen sich erhebliche Risiken – für die beteiligten Institute wie für die europäische Währungsstabilität.
Die DZ Bank hat sich als elftes Institut dem europäischen Bankenkonsortium Qivalis angeschlossen. Damit reiht sich das Spitzeninstitut der Genossenschaftlichen FinanzGruppe in eine Gruppe ein, der bereits DekaBank, UniCredit, ING, BNP Paribas, CaixaBank, Danske Bank, KBC, Raiffeisen Bank International, SEB und Banca Sella angehören.
Qivalis verfolgt das Ziel, einen MiCAR-konformen Stablecoin zu entwickeln, der von der niederländischen Zentralbank als E‑Geld-Institut beaufsichtigt werden soll. Der Start ist für Mitte 2026 vorgesehen. Das Anwendungsspektrum umfasst Zahlungen rund um die Uhr, programmierbare Prozesse, Lieferkettenabwicklung und die Tokenisierung von Vermögenswerten.
Für die DZ Bank bedeutet der Beitritt eine Positionierung in einem Feld, das bislang von amerikanischen Anbietern dominiert wird. Qivalis-CEO Jan-Oliver Sell hebt hervor, dass neue Mitglieder Expertise und Reichweite des Konsortiums erweitern. Weitere Banken seien willkommen.
Regulatorische Unwägbarkeiten
Trotz MiCAR-Konformität und DNB-Aufsicht bleiben grundlegende Fragen unbeantwortet. Die EZB warnt seit geraumer Zeit vor den Folgen von Stablecoin-Abflüssen aus Privatkunden-Einlagen. Solche Verschiebungen schwächen die Refinanzierungsbasis der Banken und erhöhen die Volatilität im Finanzsystem. Selbst regulierte Projekte wie Qivalis sind nicht gefeit vor De-Pegging-Risiken oder Liquiditätskrisen, wie sie bei amerikanischen Stablecoins bereits aufgetreten sind. Die Frage, ob ein bankeninternes Stablecoin-Projekt die europäische Währungshoheit stärkt oder vielmehr untergräbt, ist keineswegs entschieden.
Wettbewerbslogik mit Nebenwirkungen
Der Beitritt folgt einer defensiven Logik. Banken wie die DZ Bank reagieren auf den Druck von FinTechs und Krypto-Anbietern, indem sie selbst in den Stablecoin-Markt eintreten. Dabei riskieren sie, ihr eigenes Margengeschäft im Zahlungsverkehr zu erodieren. Kostengünstige Stablecoins ziehen Einlagen ab und machen klassische Intermediäre tendenziell über…
