Die wechselvolle Geschichte der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG)

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1958 gab es in Deutschland sechs Banken für Gemeinwirtschaft. Um die Kräfte nicht zu zersplittern und ein Gegengewicht zu den Großbanken wie Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank, zu bilden, beschlossen die damaligen Eigentümer, verschiedene Einzelgewerkschaften, der DGB und die Großeinkaufsgesellschaft der deutschen Konsumgenossenschaft, die sechs Gemeinschaftsbanken auf ein Institut mit Sitz in Frankfurt zu verschmelzen – die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) (Vgl. dazu: Nur noch eine Gewerkschaftsbank). Die Gründung der Banken für Gemeinwirtschaft erfolgte im Jahr 1950. Der damalige Vordenker des DGB, Viktor Agatz, wollte damit, wie er es ausdrückte, “den Teufel mit dem Beelezubub austreiben”. Kurzum: Die Absicht war, den Kapitalismus mit seinen eigenen Waffen zu schlagen bzw. wenn er sich schon nicht überwinden ließ, dann wollte man wenigstens partizipieren. Die Ursprünge reichen noch weiter bis in das Jahr 1923 zurück, als die freien Gewerkschaften die Deutsche Kapitalverwertungsgesellschaft mbH ins Leben riefen (Vgl. dazu: Bank für Gemeinwirtschaft).

Berechtigte Hoffnungen auf den Chefsessel der BfG machte sich der Chef der größten Bank für Gemeinwirtschaft in Nordrhein-Westfalen, Friedrich Simon, dem aber der nötige Stallgeruch und wohl auch die “richtige” Einstellung fehlten (Vgl. dazu: Friedrich Simon: Der widerspenstige Gewerkschafts-Banker).

Die prägende Figur der BfG war Walter Hesselbach, ein Gewerkschafter vom Scheitel bis zur Sohle – aber auch ein recht erfolgreicher Banker. Als Hesselbach im Jahr 1993 verstarb widmete ihm der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Matthöfer den Nachruf Gewerkschafter und Bankier.

In den Jahren 1964/1965 liefen die Geschäfte bei der BfG ausgesprochen gut – besser noch als bei den Sparkassen und Großbanken, wie der Spiegel seinerzeit zu berichten wusste:

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