Die Universalbank altes Stils – ein Auslaufmodell #4

Von Ralf Keuper

Die Verlagerung großer Teile des Bankgeschäfts in das Internet stellt die Geschäfts- und Organisationsmodelle der Banken vor große Herausforderungen. Eine Universalbank, die künftig alles aus einer Hand anbieten will, wie Spar, Kontokorrent, Zahlungsverkehr, Kredit und Wertpapier, muss in der Lage sein, die Kommunikations- und Medienkanäle, wie vormals die Filialen, zu kontrollieren. Das ist utopisch. Um als Bank auf den Smartphones und Tablet-PCs ihrer Kunden überhaupt noch sichtbar zu sein, sind die Banken auf Apple angewiesen – nicht umgekehrt. Die sozialen Netzwerke und Messaging-Dienste wie facebook und WeChat oder Suchmaschinen wie Google sind die erste Anlaufstelle der Kunden im Netz, wenn sie auf der Suche nach Angeboten oder Rat sind. Im Extremfall kann also der Informations- und Datenfluss an den Banken vorbei gelenkt werden, ohne dass die Kunden dies als Nachteil oder Mangel an Komfort empfinden würden.

Die Banken stehen daher vor der Frage, welche Services sie noch anbieten können. Insofern liegt der neue Hauptgeschäftsführer des Deutschen Bankenverbandes, Andreas Krautscheid, mit seiner Einschätzung richtig:

Zwar werde es in zehn Jahren “mindestens so wie heute Bedarf an Dienstleistungen geben, die heute noch fast ausschließlich von Banken erbracht werden”. Die entscheidende Frage sei jedoch, wer dann welchen Bedarf abdecke, denn keine Bank werde künftig jeden Teil der Wertschöpfungskette alleine machen. “Die Bank muss für sich klären, welchen Teil sie in den nächsten Jahren selbst kontrollieren will – sonst werden es andere für die Bank tun.” (Neuer Banken-Chef Krautscheid sieht Branche im Umbruch).

Weiter:

Noch sind wir in einer Phase, in der die Bank selbst darüber entscheiden kann”, betonte Krautscheid. Aber nur noch “die nächsten vier, fünf Jahre” könnten sich die Institute entsprechend aufstellen. “Entscheidend wird sein, dass wir gut in diesen Dingen sind”, mahnte er. “Umso besser können wir uns gegenüber den neuen Wettbewerbern positionieren.” Die “Facebooks, Googles und Amazons dieser Welt” lebten davon, Daten gewinnbringend zu nutzen. Für die Banken sei dies aber “ein schmaler Grat”, wollten sie das Vertrauen ihrer Kunden nicht aufs Spiel setzen.

Vier bis fünf Jahre ist sehr optimistisch. Die großen Internetkonzerne sind bereits im Banking aktiv – genannt seien Alipay, WeChat, Amazon (Amazon Pay) und Apple (Apple Pay). Die Grenzen zwischen E-Commerce und Banking verwischen. Die alten Organisationsmodelle, auch dezentral organisierte Verbünde, werden diesem Wandel schon lange nicht mehr gerecht – ihnen fehlen dazu die entscheidenden Elemente (Hardware, Software, Logistik, Künstliche Intelligenz/Algorithmen, Reichweite im Netz/Skalierung, Know How). Beispielhaft für diesen Einschnitt ist Paydirekt.

Die Daten der Kunden gewinnbringend wie Google und Amazon zu verwenden, ist in der Tat ein schmaler Grat für die Banken. Ein Wettlauf, den sie unter den gegebenen Marktstrukturen ohnehin nicht gewinnen können – Stichwort: Verlust der digitalen Souveränität.

Wir benötigen im Banking mehr Dezentralisierung und Datensouveränität für Verbraucher und Unternehmen. Mit den heutigen Banken ist das nicht mehr zu machen. Hier stoßen zwei völlig unterschiedliche Welten/Kulturen aufeinander. Die Zeit, welche diese Institutionen für einen derart tiefgreifenden Wandel benötigen, liegt deutlich über vier bis fünf Jahre – und selbst dies ist schon optimistisch. Die Zeit reicht nicht mehr. Die Weichen hätten schon in den späten 1980er bis Mitte der 1990er Jahre gestellt werden müssen.

Banking wird Teil eines neuen Systemzusammenhangs. Im Verlauf dieses Transformationsprozesses werden die Rollen neu verteilt. Entstehen werden Personal Data Banks, Identity Banks oder Cyber Security Banks.

Den Banken bleibt nur noch der strategische Rückzug, um Zeit zu gewinnen und die Teile retten zu können, die für die Internetkonzerne und einige wenige Fintech-Startups (noch) zu uninteressant sind.

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