Die strukturellen Probleme der Sparkassen

Von Ralf Keuper
Das Geschäftsmodell der Sparkassen, das ist kaum noch zu übersehen, hat sich überlebt. Sichtbar werden die Zerfallserscheinungen durch die wachsende Zahl von Filialschließungen wie auch durch Fusionen und andere Meldungen aus dem Sparkassenlager, die nicht so recht in das Bild der heilen Sparkassen-Welt passen, das uns seit Jahren, Jahrzehnten von verschiedenen Seiten vermittelt wird. 
Auf diesem Blog wurde diese Entwicklung in mehreren Beiträgen kommentiert:
In dem Beitrag Sparkassen-Check: Die neun Probleme der Sparkassen der in Zusammenarbeit mit Correct!V Recherche für die Gesellschaft entstand, werden die Defizite der Sparkassen im einzelnen beschrieben. Zuvor erschien der Beitrag Ruin einer Sparkasse. Weiterhin: Wer will hier eigentlich wen für dumm verkaufen ?
Alles in allem haben die strukturellen Probleme der Sparkassen Dimensionen angenommen, die existenzbedrohend sind. Das Geschäftsmodell einer (kleinen) Universalbank funktioniert schon allein der hohen Fixkosten wegen nicht mehr. Über das Drehen an der Gebührenschraube die Lage verbessern zu wollen, wird nicht mehr lange funktionieren. Die Regulierung und die Niedrigzinsphase haben die strukturellen Probleme offen gelegt, nicht verursacht.
Der Befund gilt in ähnlicher Weise für die Genossenschaftsbanken. Hier kommt sogar noch erschwerend hinzu, dass die Institute deutlich kleiner sind, als die Sparkassen, Größen- und Skalenvorteile (wir gehen mal davon aus, dass sie sich in einem bestimmten Umfang realisieren lassen) somit nicht in derselben Weise zum Tragen kommen.  
Update:
Über twitter erreichte mich der wichtige Hinweis, dass die Volksbanken eine ausgesprochen gute CIR aufweisen, besser jedenfalls als die Privatbanken. Nachzulesen in Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2014
Bestätigt wird das u.a. in der Bain-Studie Deutschlands Banken 2014. 
Dort steht aber auch:

Die Vorteile auf der Kostenseite sind zu einem erheblichen Teil auf Skaleneffekte zurückzuführen. Die Banken im Top-Quintil sind mit einer Bilanzsumme von durchschnittlich 722 Millionen Euro und 138 Mitarbeitern deutlich größer als die Banken im fünften Quintil. Die Vorteile großer Institute zeigen sich zudem in der Personal- und Sachkostenspanne. Größe ist somit auch bei Kreditgenossenschaften ein Wettbewerbsvorteil.

Daraus erklärt sich wohl auch die Fusionswelle unter den Volksbanken. Die Filialschließungen der Volksbanken liefern Anhaltspunkte dafür, dass die Ertragslage auch hier unter Druck steht. 

Die Frage ist weiterhin, ob die CIR tatsächlich so aussagekräftig ist, wie häufig angenommen wird. Dazu: PRODUKTIVITÄTSSTEUERUNG: Die Schattenseiten der Cost-Income Ratio

Marvin Brendel schreibt in Regionalbanken vor großer Krise?

Speziell mit Blick auf die Genossenschaftsbanken klingt bei Hintergrundgesprächen (gleichwohl nicht repräsentativen, wie Brendel hinzufügt, RK) mit Primärbankern zudem recht häufig die Erwartung eines neuerlichen Konsolidierungsprozesses ab 2015/2016 an. Spätestens dann solle es bei vielen Banken aufgrund der bis dahin auslaufenden noch gut verzinsten Altanlagen “ans Eingemachte gehen”. Dies könne zu einer neuerlichen Fusionswelle unter den derzeit noch rund 1.100 Kreditgenossenschaften führen.*

Informativ auch das Interview mit dem Chef der Bremischen Volksbank: „Unser Geschäft hat sich massiv verändert“

Weitere Informationen:

Regionalbanken: Die Krise der Musterschüler

Sparkassen in Schieflage

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