Am 22. Mai 2026 for­der­te der Ver­band deut­scher Pfand­brief­ban­ken Regu­lie­rungs­er­leich­te­run­gen – Wohn­im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung sei ein „risi­ko­ar­mes Geschäft”. Weni­ge Tage spä­ter wur­den die Daten bekannt: NPL-Quo­te bei knapp 5 Pro­zent, 49 Mil­li­ar­den Euro pro­ble­ma­ti­sche Kre­di­te, die BAG der Volks­ban­ken mit Rekord­vo­lu­men, die Lan­des­ban­ken mit 180 Mil­li­ar­den Euro Gewer­be­im­mo­bi­li­en­kre­di­ten im Buch. Die Rech­nung ist bereits unterwegs. 


Die empi­ri­sche Gegenfolie

Eine EY-Par­the­non-Umfra­ge unter deut­schen Ban­ken, über die das Han­dels­blatt berich­te­te, zeich­net ein fun­da­men­tal ande­res Bild. Die NPL-Quo­te – der Anteil not­lei­den­der Kre­di­te – ist von 1,5 Pro­zent im Jahr 2022 auf knapp 5 Pro­zent gestie­gen. Das pro­ble­ma­ti­sche Kre­dit­vo­lu­men beläuft sich auf 49 Mil­li­ar­den Euro. Bei rund der Hälf­te der befrag­ten Insti­tu­te lie­gen mehr als 40 Pro­zent der Refi­nan­zie­run­gen dem­nächst zur Ver­län­ge­rung an – zu Kon­di­tio­nen, die deut­lich schlech­ter sind als die ursprüng­li­chen Abschlüsse.

Der euro­päi­sche Spit­zen­wert ist zugleich der beun­ru­hi­gends­te Befund: Bei jedem sieb­ten neu­en Immo­bi­li­en­kre­dit über­steigt das Dar­le­hens­vo­lu­men bereits bei Abschluss den Immo­bi­li­en­wert. Das ist kein zykli­sches Rau­schen – das ist sys­te­ma­ti­sche Unter­pfän­dig­keit, die in der nächs­ten Kor­rek­tur sofort sicht­bar wird.

EY-Exper­te Kor­bi­ni­an Gen­nies bezeich­net den NPL-Anstieg nicht mehr als nor­ma­len Aus­schlag, son­dern als Beginn einer Markt­be­rei­ni­gung. Der Begriff ist euphe­mis­tisch, aber die Rich­tung ist klar.


Die Pro­lon­ga­ti­ons­fal­le

Das struk­tu­rel­le Kern­pro­blem ist die Pro­lon­ga­ti­ons­fal­le. Vie­le Kre­di­te, die in der Nied­rig­zins­pha­se zwi­schen 2015 und 2022 abge­schlos­sen wur­den, lau­fen jetzt zur Ver­län­ge­rung an – in einem Zins­um­feld, das sich fun­da­men­tal ver­än­dert hat. Was als Amend & Extend begann – Lauf­zei­ten ver­län­gern, Kon­di­tio­nen anpas­sen, die Ent­schei­dung ver­schie­ben – funk­tio­nier­te solan­ge als Stra­te­gie, wie die Zin­sen sta­bil blie­ben oder sanken.

Die­se Vor­aus­set­zung ist nicht mehr gege­ben. Seit Ende März 2026 trei­ben höhe­re Ener­gie­prei­se und neue Infla­ti­ons­sor­gen die Finan­zie­rungs­kos­ten erneut nach oben. Und die EZB steht vor einem struk­tu­rel­len Dilem­ma: Stei­gen­de Infla­ti­on zwingt zu höhe­ren Leit­zin­sen – genau dann, wenn das Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rungs­sys­tem die umge­kehr­te Ent­wick­lung bräuchte.

Aus der Pro­lon­ga­ti­ons­fal­le wird unter die­sen Bedin­gun­gen schritt­wei­se eine Liqui­di­täts­fal­le. Amend & Extend als domi­nan­te Bran­chen­stra­te­gie ver­schiebt das Pro­blem nicht nur in der Zeit – es ver­grö­ßert es, weil die Zins­be­las­tung bei jeder Ver­län­ge­rung steigt, wäh­rend die Sicher­hei­ten­wer­te gleich­zei­tig unter Druck geraten.


BaFin gegen vdp: Zwei Risi­ko­ein­schät­zun­gen, ein Markt

Der vdp behaup­tet, Wohn­im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung sei struk­tu­rell risi­ko­arm. Die BaFin hat 2022 expli­zit einen sek­to­ra­len Sys­tem­ri­si­ko­puf­fer für Wohn­im­mo­bi­li­en­kre­di­te ein­ge­führt – mit der Begrün­dung, dass sich in der mehr­jäh­ri­gen Nied­rig­zins­pha­se sys­te­mi­sche Ver­wund­bar­kei­ten auf­ge­baut hat­ten. BaFin-Prä­si­dent Mark Bran­son warnt heu­te, dass von ech­ter Erho­lung kei­ne Rede sein kön­ne und der Markt wei­ter unter Stress ste­he. Ein­grif­fe der Auf­sicht wer­den nicht ausgeschlossen.

Ver­band und Auf­se­her beschrei­ben den­sel­ben Markt mit ent­ge­gen­ge­setz­ten Risi­ko­ein­schät­zun­gen. Das ist kei­ne aka­de­mi­sche Dif­fe­renz – es ist eine insti­tu­tio­nel­le Sche­re mit kon­kre­ten Kon­se­quen­zen. Wenn der vdp Regu­lie­rungs­ab­bau for­dert, wäh­rend die BaFin ver­stärk­te Prü­fun­gen und Son­der­prü­fun­gen ankün­digt, dann ist das nicht koor­di­nier­ter Inter­es­sens­aus­gleich. Es ist das klas­si­sche Mus­ter, das Ban­ken­sta­bi­li­sie­rungs­pro­gram­me in der Geschich­te teu­er gemacht hat: Die Lob­by kämpft gegen die Regu­lie­rung, die im nächs­ten Abschwung feh­len wird.

Beson­ders expo­niert ist dabei das Gewer­be­im­mo­bi­li­en­seg­ment. Gewer­be­im­mo­bi­li­en­kre­di­te machen rund 9 Pro­zent der Bilanz­sum­me deut­scher Ban­ken aus – ein Seg­ment, das struk­tu­rell grö­ße­re Risi­ken trägt als Wohn­im­mo­bi­li­en und in dem die Neu­be­wer­tun­gen noch nicht voll­stän­dig abge­schlos­sen sind. Bran­son hat zudem expli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wei­te­re Schlie­ßun­gen offe­ner Immo­bi­li­en­fonds nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­nen – ein Risi­ko, das vor allem Volks­ban­ken und Spar­kas­sen betrifft, die die­se Pro­duk­te in gro­ßem Umfang an Pri­vat­an­le­ger ver­trei­ben, häu­fig in der nied­rigs­ten Risikokategorie.


Drei Säu­len, drei Park­stra­te­gien – ein struk­tu­rel­les Problem

Was die aktu­el­le Kri­se von frü­he­ren Zyklen unter­schei­det, ist ihre sek­tor­über­grei­fen­de Dimen­si­on. Alle drei Säu­len des deut­schen Ban­ken­sys­tems sind expo­niert – aber jede parkt ihre Risi­ken anders. Kei­ne der drei Stra­te­gien löst das struk­tu­rel­le Problem.

Genos­sen­schafts­sek­tor: Die BAG als Fie­ber­ther­mo­me­ter. Die BAG Bank­ak­ti­en­ge­sell­schaft in Hamm – die Bad Bank der Volks­ban­ken und Raiff­ei­sen­ban­ken – hat 2025 so vie­le Pro­blem­kre­di­te über­nom­men wie zuletzt vor gut 20 Jah­ren. Das Geschäfts­vo­lu­men wuchs um knapp 1,4 Mil­li­ar­den Euro, etwa drei­mal so viel wie im Vor­jahr, und liegt nahe­zu auf dem Rekord­ni­veau des Jah­res 2003. Allein in den Jah­ren 2024 und 2025 hat die BVR-Siche­rungs­ein­rich­tung bei fünf Genos­sen­schafts­ban­ken Risi­ken von rund 1,4 Mil­li­ar­den Euro abge­si­chert. Der BAG-Chef kom­men­tier­te, dass die Nach­fra­ge nach den Abwick­lungs­ka­pa­zi­tä­ten bereits eine „gro­ße Arbeits­be­las­tung” erzeugt habe – wor­auf­hin eigens eine neue Abwick­lungs­ge­sell­schaft (BAG Treu­hand) gegrün­det wur­de. Die BAG ist kein Aus­rei­ßer: Sie ist ein Früh­in­di­ka­tor. Wenn die Bad Bank wächst, heißt das, dass die pri­mä­ren Insti­tu­te mehr abge­ge­ben haben, als das Sicher­heits­netz ursprüng­lich dimen­sio­niert war. Für 2026 rech­net die BAG erneut mit zuneh­men­dem Geschäftsvolumen.

Spar­kas­sen- und Genos­sen­schafts­sek­tor: Sta­bi­le Gewin­ne, ver­scho­be­ne Risi­ken. Die Spar­kas­sen mel­den nach außen bemer­kens­wer­te Sta­bi­li­tät – und das ist nicht voll­stän­dig falsch. Ihr Kern­ge­schäft pro­fi­tiert von gestie­ge­nen Zins­mar­gen. Aber die Risi­ko­bi­lanz ist nur schein­bar sau­ber. Zwei Mecha­nis­men sor­gen für eine struk­tu­rel­le Asym­me­trie: Ers­tens wer­den Immo­bi­li­en­ri­si­ken in die Kre­dit­bü­cher der Lan­des­ban­ken ver­scho­ben – Insti­tu­te, die zwar insti­tu­tio­nell von den Spar­kas­sen getrennt sind, im Ernst­fall aber poli­tisch und fis­ka­lisch auf die Trä­ger zurück­fal­len. Zwei­tens ver­trei­ben Spar­kas­sen und Volks­ban­ken offe­ne Immo­bi­li­en­fonds flä­chen­de­ckend an Pri­vat­an­le­ger, oft als Pro­duk­te nied­rigs­ter Risi­ko­ka­te­go­rie – obwohl die Rea­li­tät die­ser Ein­stu­fung längst ero­diert ist.

Das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth urteil­te im Febru­ar 2025, dass der Uni­on-Invest­ment-Fonds Uni­im­mo Woh­nen ZBI – nach einer Abwer­tung von rund 17 Pro­zent im Som­mer 2024 – nicht mehr mit einer nied­ri­gen oder mit­tel­nied­ri­gen Risi­koklas­se bewor­ben wer­den dür­fe. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le Baden-Würt­tem­berg hat­te die Risi­ko­ein­stu­fung offe­ner Immo­bi­li­en­fonds gene­rell als „absurd” bezeich­net. Der grö­ße­re Uni­im­mo Deutsch­land muss­te im Geschäfts­jahr 2024/​2025 Mit­tel­ab­flüs­se von net­to über 500 Mil­lio­nen Euro ver­kraf­ten und reagier­te mit dem Not­ver­kauf von Groß­im­mo­bi­li­en – dar­un­ter ein Pari­ser Büro­ob­jekt für 700 Mil­lio­nen Euro – um einen Liqui­di­täts­puf­fer auf­zu­bau­en. Dass Uni­on Invest­ment die­se Ver­käu­fe als stra­te­gi­sche Port­fo­lio­be­rei­ni­gung kom­mu­ni­zier­te, ist ein wei­te­res Lehr­stück in insti­tu­tio­nel­ler Rahmungsstrategie.

Die BaFin hat unter die­sen Bedin­gun­gen expli­zit erklärt, wei­te­re Fonds­schlie­ßun­gen nicht aus­schlie­ßen zu kön­nen. Dass Volks­ban­ken und Spar­kas­sen die­se Pro­duk­te wei­ter­hin in gro­ßem Stil an Pri­vat­an­le­ger ver­trei­ben – struk­tu­rell getrennt von den Pro­blem­kre­di­ten in der BAG, kom­mu­ni­ka­tiv getrennt von den Fonds­ri­si­ken bei Uni­on Invest­ment – ist die sek­to­ra­le PR-Sche­re im Klein­for­mat: Jede Ein­heit berich­tet über sich, nie­mand über das Gesamtbild.

Lan­des­ban­ken: Eigen­stän­dig expo­niert, nicht nur Risi­ko­par­klatz. Es wäre ein Feh­ler, die Lan­des­ban­ken ledig­lich als insti­tu­tio­nel­le Abla­ge für Spar­kas­sen­ri­si­ken zu ver­ste­hen. Sie sind eigen­stän­di­ge Haupt­ak­teu­re im Gewer­be­im­mo­bi­li­en­ge­schäft – mit einem Kre­dit­buch, das in sei­nem Gesamt­vo­lu­men die Dimen­si­on des Pro­blems sicht­bar macht. Allein Hela­ba, LBBW, Bay­ern­LB und NordLB wie­sen zuletzt zusam­men rund 180 Mil­li­ar­den Euro an Gewer­be­im­mo­bi­li­en­kre­di­ten aus. Bay­ern­LB gemein­sam mit ihrer Toch­ter DKB kommt auf rund 66 Mil­li­ar­den Euro, die LBBW auf 63 Mil­li­ar­den Euro – damit sind sie die bei­den größ­ten Gewer­be­im­mo­bi­li­en-Kre­dit­ge­ber unter den deut­schen Ban­ken über­haupt, noch vor Deut­scher Bank und Commerzbank.

Die NPL-Ent­wick­lung in die­sem Seg­ment ist alar­mie­rend. Laut BaFin hat sich die NPL-Quo­te in den Gewer­be­im­mo­bi­li­en­kre­dit­port­fo­li­os aller deut­schen Insti­tu­te inner­halb von 18 Mona­ten nahe­zu ver­dop­pelt; im drit­ten Quar­tal 2024 lag sie agg­re­giert bei 4,47 Pro­zent. Für 2025 und 2026 ste­hen allein für 100 Mil­li­ar­den Euro die­ser Kre­di­te Ver­hand­lun­gen über Anschluss­fi­nan­zie­run­gen an – und mehr als die Hälf­te des noch lau­fen­den Gewer­be­im­mo­bi­li­en-Kre­dit­vo­lu­mens weist Zin­sen unter drei Pro­zent auf. Das ist die Pro­lon­ga­ti­ons­fal­le im Großformat.

LBBW-Finanz­vor­stän­din Ste­fa­nie Münz for­mu­lier­te es 2024 unge­wohnt offen: „Der Schwer­punkt der Kre­dit­aus­fäl­le liegt ver­mut­lich noch vor uns.” Die­se Aus­sa­ge bezog sich auf das ers­te Halb­jahr 2024 – bevor die aktu­el­le Zins­ver­schär­fung einsetzte.

Dass sich an der struk­tu­rel­len Risi­ko­la­ge seit­her wenig geän­dert hat, zeigt der LBBW-Jah­res­ab­schluss 2025, den wir an die­ser Stel­le bereits ana­ly­siert haben. Die LBBW mel­de­te das zweit­bes­te Ergeb­nis ihrer Geschich­te und ihre Finanz­che­fin stell­te „dau­er­haft hohe Gewin­ne” in Aus­sicht – eine Aus­sa­ge, die schon im nume­ri­schen Wider­spruch zur eige­nen Gui­dance steht: Die Ziel­grö­ße für 2026 liegt 14 Pro­zent unter dem berich­te­ten Ergeb­nis. Kom­mu­ni­ka­ti­ve Linie und nume­ri­sche Kon­zes­si­on klaf­fen aus­ein­an­der. Struk­tu­rell beun­ru­hi­gen­der ist die Ber­lin-Hyp-Inte­gra­ti­on: Sie bin­det die LBBW fes­ter an den gewerb­li­chen Immo­bi­li­en­zy­klus, als es ihre bis­he­ri­ge Auf­stel­lung tat – genau zum Zeit­punkt, an dem die­ser Zyklus kippt. Dass die sin­ken­de Risi­ko­vor­sor­ge im Jah­res­ab­schluss als Sta­bi­li­täts­si­gnal kom­mu­ni­ziert wur­de, folgt der pro­zy­kli­schen Logik von IFRS 9, die his­to­risch ver­läss­lich an Zyklus­wen­de­punk­ten versagt.

Die Lan­des­ban­ken sind damit kei­ne pas­si­ve Puf­fer­schicht im Spar­kas­sen­ver­bund. Sie sind ein eigen­stän­di­ges Sys­tem­ri­si­ko, das durch sei­ne öffent­lich-recht­li­che Trä­ger­struk­tur poli­tisch abge­si­chert erscheint – und genau des­halb in der öffent­li­chen Risi­ko­wahr­neh­mung sys­te­ma­tisch unter­be­wer­tet wird. HSH Nord­bank, WestLB, Sach­senLB: Die Lis­te der Lan­des­ban­ken, die in Pha­sen kom­mu­ni­zier­ter Stär­ke die Risi­ken akku­mu­lier­ten, die sie spä­ter ein­ge­holt haben, ist lang genug, um Mus­ter zu erkennen.

Pri­va­te Ban­ken: Amend & Extend als Sys­tem­stra­te­gie. Im pri­va­ten Ban­ken­sek­tor domi­niert wei­ter­hin die Ver­län­ge­rungs­stra­te­gie. Das ist ver­ständ­lich aus der Per­spek­ti­ve des Ein­zel­in­sti­tuts – aber als Bran­chen­pra­xis repro­du­ziert sie das Grund­pro­blem: Sie ver­schiebt die Fäl­lig­kei­ten, ohne die Kapi­tal­struk­tur der Kre­dit­neh­mer zu ver­bes­sern. Wenn die EZB zur Zins­er­hö­hung gezwun­gen wird, trifft der nächs­te Ver­län­ge­rungs­zy­klus auf noch schlech­te­re Kon­di­tio­nen als der aktuelle.

Das Ergeb­nis die­ser drei par­al­le­len Park­stra­te­gien ist eine sys­tem­wei­te Risi­ko­ver­drän­gung, die insti­tu­tio­nell unsicht­bar bleibt, solan­ge jede Säu­le auf ihre eige­ne Abschir­mungs­ar­chi­tek­tur ver­weist. Die Kri­se erscheint frag­men­tiert, weil die Insti­tu­tio­nen frag­men­tiert berich­ten. Tat­säch­lich durch­zieht sie die gesam­te Archi­tek­tur des deut­schen Bankwesens.


Was „Markt­be­rei­ni­gung” bedeutet

EY nennt es Markt­be­rei­ni­gung. Das klingt nach geord­ne­tem Pro­zess. Die Rea­li­tät ist weni­ger geord­net. Ban­ken, die bis­lang auf Amend & Extend gesetzt haben, begin­nen här­te­re Lösungs­an­sät­ze zu erwä­gen: Ret­tungs­er­wer­be, Platt­form­lö­sun­gen, Ver­kauf fau­ler Kre­di­te. Das sind kei­ne Alter­na­ti­ven, die man aus stra­te­gi­scher Stär­ke wählt – das sind Optio­nen, die man aus wach­sen­dem Druck her­aus zieht.

Die Schwä­che­pha­se wird laut Umfra­ge bis 2028 andau­ern. Erho­lung wird frü­hes­tens ab 2029 erwar­tet. Das ist eine Zeit­span­ne, in der die EZB-Zins­po­li­tik, die Infla­ti­ons­ent­wick­lung und die Pro­lon­ga­ti­onska­len­der der Ban­ken auf eine Wei­se zusam­men­tref­fen kön­nen, die das Wort „Markt­be­rei­ni­gung” als deut­li­che Unter­trei­bung erschei­nen lässt.

Bran­son hat die Ver­brau­cher­di­men­si­on expli­zit benannt: Men­schen kön­nen sich finan­zi­ell über­he­ben – und bei Job­ver­lust oder Krank­heit die Raten nicht mehr bedie­nen. Das ist kei­ne sys­tem­fer­ne Über­le­gung. Es ist die Trans­mis­si­on zwi­schen Bank­bi­lanz und gesell­schaft­li­cher Rea­li­tät, die in der vdp-Kom­mu­ni­ka­ti­on voll­stän­dig fehlt.


Das Mus­ter hat einen Namen

Was wir hier beob­ach­ten, ist kein Ver­sa­gen ein­zel­ner Akteu­re. Es ist das struk­tu­rel­le Mus­ter, das in der Bank­stil-Ana­ly­se als PR-Sche­re beschrie­ben wird: die wach­sen­de Diver­genz zwi­schen kom­mu­ni­ka­ti­ver Selbst­dar­stel­lung und ope­ra­ti­ver Rea­li­tät. Der vdp-Jah­res­be­richt 2025 ist ein Doku­ment die­ser Sche­re – ver­fasst zu einem Zeit­punkt, als die Daten bereits ein ande­res Bild zeich­ne­ten, das nur noch nicht voll­stän­dig sicht­bar war.

Die BAG wächst. Die Lan­des­ban­ken tra­gen Risi­ken, die in den Spar­kas­sen­bi­lan­zen nicht erschei­nen. Offe­ne Immo­bi­li­en­fonds wer­den mit Risi­koklas­se 1 ver­kauft, wäh­rend die Auf­sicht vor Schlie­ßun­gen warnt. Der vdp for­dert Regu­lie­rungs­ab­bau, wäh­rend die BaFin Son­der­prü­fun­gen ankündigt.

Nied­ri­ge Aus­fall­ra­ten in Boom­zei­ten sind kein Beweis für struk­tu­rel­le Risi­ko­ar­mut. Sie sind deren tem­po­rä­res Ver­schwin­den hin­ter stei­gen­den Sicher­hei­ten­wer­ten. Die drei Säu­len des deut­schen Bank­we­sens haben die­sen Satz auf je eige­ne Wei­se insti­tu­tio­nell vergessen.

Die Rech­nung kommt danach.

Ralf Keu­per 


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