Die Geschichte des Kölner Bankwesens

Von Ralf Keuper
Im Mittelalter war Köln für einige Jahrhunderte die mit Abstand größte und bedeutendste Stadt im damaligen Deutschen Reich. Die Stadt war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und zentraler Umschlagplatz für Waren aller Art. 
Schon früh entstanden in Köln die ersten Banken. In Kölner Bankwesen heisst es: 

Das Kölner Bankwesen entwickelte sich während der bereits im Mittelalter blühenden Wirtschaftsmetropole Köln und machte die Stadt in der Gründerzeit zu einem der führenden deutschen Bankplätze. Als Mittelpunkt des Bankenstandorts fungiert die Straße Unter Sachsenhausen (Quelle: Wikipedia).

Bedeutender Finanzplatz mit langer Geschichte
Erste Bankiers siedelten sich bereits im 3. Jahrhundert in Köln an, wie es in Kölner Bankwesen weiter heisst. Ein einflussreicher Kölner Bankier des Mittelalters war Gerhard Unmaze. Er wird auch als Mit-Gründer des Kölner Bankwesens bezeichnet. 

Unmazes Kerngeschäft war zunächst die Geldleihe, wobei ihm die Schuldner oftmals ihren Grundbesitz zu verpfänden hatten, wodurch er seinen Immobilienbesitz ausbauen konnte, vor allem im Martinsviertel. Im Jahre 1174 gewährte er ein Darlehen an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg in Höhe von 650 Mark für dessen Teilnahme am fünften Italienzug von Friedrich Barbarossa. Dazu verpfändete der Erzbischof das Zollprivileg für 140 Kilogramm Silber an Unmaze (Quelle: Wikipedia).

Kölner Bankiers und Hansekaufleute 
Kölner Kaufleute waren auch im Ausland anzutreffen, vor allem im Londoner Stahlhof. Berühmt wurde das Mandat Heinrichs II von England  für die Kölner Hansekaufleute. Köln war neben bzw. nach Lübeck lange Zeit das Haupt der Hanse. Bedeutender Hansekaufmann jener Zeit aus Köln war Heinrich Sudermann

Kölner Börse
Nach den Börsen in Augsburg und Nürnberg war die Kölner Börse die drittälteste Deutschlands. 

Köln war im Mittelalter eine der bedeutendsten Finanz- und Handelsstädte Europas. Es bestand deshalb das Erfordernis, den Handel mit Gütern, Geld und Wechseln zu institutionalisieren. Der Rat der Stadt entschloss sich, den Städten Augsburg und Nürnberg, die sich bereits 1540 für die Errichtung einer Börse entschieden hatten, zu folgen. Die Kölner Börse begann zunächst im Spätmittelalterals Waren- und Wechselbörse, in der Gründerzeit kamen Effekten- und Devisenhandel hinzu (Quelle: Wikipedia)

Die „Fugger von Köln“
Auch Köln hatte seine „Fugger“. Dabei handelt es sich um die Bankiersfamilie Hackeney, deren Begründer zuerst als Goldschmied tätig war. Wegen ihres Reichtums wurde die Angehörigen der Familie auch „Fugger von Köln“ genannt.  

Kölner Banken gehen mit der Zeit 

Im späten Mittelalter bis zum Beginn der Neuzeit konnte Köln seinen Rang als führender Finanz- und Handelsplatz in Europa behaupten. In dieser Zeit wurden in Köln mehrere Bankhäuser gegründet, die während der Industrialisierung in Deutschland eine wichtige Rolle spielten, wie Sal. Oppenheim, Herstatt, J.H. Stein oder der A. Schaaffhausen’sche Bankverein
Die Kölner Bankiers waren für die damalige Zeit sehr modern bzw. fortschrittlich:  

Kölner Privatbankiers betrieben bereits in den 1830er Jahren erfolgreich Universalbankgeschäfte. Im Gegensatz zu den Frankfurter Bankiers mit dem Schwerpunkt auf Staatsanleihen standen bei den Kölner Privatbanken Handelskredite und ab 1820 Industriefinanzierungen in der Textil- und Montanindustrie und dem Eisenbahnbau im Vordergrund. Hamburger Banken widmeten sich der Außenhandelsfinanzierung, Berliner Banken engagierten sich in der Industriefinanzierung und dem Effektengeschäft. Während die Kölner Banken sich maßgeblich an der Industriefinanzierung im Ruhrgebiet beteiligten, waren sie bis auf wenige Ausnahmen nur an der Finanzierung von solchen Eisenbahnstrecken interessiert, die nach Köln führten oder durch die die Kölner Wirtschaft Vorteile hatte. Im Bereich der Industriefinanzierung, des Konsortial- und Emissionsgeschäfts nahm das Kölner Bankwesen nach Berlin die zweite Stelle in Deutschland ein (Quelle: Wikipedia)

Trotzdem konnten die Kölner Privatbanken das Schicksal anderer inhabergeführter Institute nicht umgehen: Irgendwann konnten sie den großen Kapitalbedarf der Industrie nicht mehr bedienen: 

Der wachsende Kapitalbedarf der Montanindustrie im Ruhrgebiet um 1850 in Höhe von 100 Millionen Talern ließ auch im Kölner Bankwesen mit der Gründung von Aktienbanken und dem zunehmenden Gewicht des neu entstehenden Berliner Bankwesens eine erhebliche Strukturveränderung eintreten mit dem Ergebnis eines Bedeutungsschwundes der dort ansässigen Privatbankhäuser (ebd.).

Köln wurde als Bankplatz von Berlin und später dann Frankfurt deutlich überholt. 
Statuserhalt bis 1914 
Trotzdem konnte Köln bis 1914 seinen Status als bevorzugter Standort für Regional- und Privatbanken erhalten, wie Wolfgang Leoni in Köln profitiert vom innovativen Impetus seiner Banken schreibt. 
Das Treffen Papen – Schröder – Hitler 

Zu den unrühmlichen Kapiteln des Kölner Bankwesens zählt das Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder in Köln im Jahr 1933, das für den Historiker Karl Dietrich Bracher die Geburtsstunde des Dritten Reiches markiert.

Bedeutungsverlust nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bedeutungsverlust des Bank- und Finanzplatzes Köln nicht mehr zu übersehen. Köln war Schauplatz der größten Bankpleite der Nachkriegszeit – der Herstatt Bank und des Niedergangs der zu dem Zeitpunkt größten deutschen Privatbank Sal. Oppenheim. Einer der einflussreichsten Kölner Bankiers der Nachkriegszeit war Robert Pferdmenges

Ab 1901 arbeitete er in derLondoner Filiale der Disconto-Gesellschaft, nach einigen Jahren wurde er dort Filialleiter. 1913 wechselte er beim selben Bankinstitut in die Filiale Antwerpen. Von 1919 bis 1929 war er Vorstand der A. Schaaffhausen’scher Bankverein Actiengesellschaft in Köln und wechselte dann zum Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. in Köln, dessen Teilhaber er von 1929 bis 1953 war. 1931 wurde Pferdmenges auf Betreiben Reichskanzler Heinrich Brünings stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Bank AG. Diese Funktion bekleidete er bis zum Jahre 1936 (Quelle: Wikipedia)

Köln als Standort für Fintech-Startups 
Wenngleich Köln als Finanzplatz nur noch von untergeordneter Bedeutung ist, gehen von hier noch immer zahlreiche Impulse aus. Das Fintech-Startup moneymeets gilt einigen Beobachtern als das Hidden-FinTech-Juwel aus Köln. Die größten Fintech-Treffen Deutschland finden neben Frankfurt in Köln statt. Für ihre E-Learning-Plattform Nexmarkets, die den Nutzern die Börse erklären soll, konnten die Gründer erst kürzlich drei Millionen Euro einsammeln; unter den Investoren befindet sich u.a. Peter Thiel.  
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