Die elektronischen Banker: Aufstieg und Ausbreitung der Geldautomaten (John Diebold)

Von Ralf Keuper

In seinem Buch Innovators schildert John Diebold, der auch als erster IT-Unternehmensberater bezeichnet wird, von einschneidenden Innovationen aus den unterschiedlichsten Bereichen – von der Geburt des Transistors über die Entstehung von Federal Express und der Lasertechnik bis hin zum ersten Geldautomaten.

Letzterer ist Gegenstand des Kapitels Der elektronische Banker: Aufstieg und Ausbreitung der Geldautomaten.

Das Kapitel ist auch deshalb lehrreich, weil es deutliche Parallelen zu aktuellen Entwicklungen enthält, insbesondere mit Blick auf die Themen Mobile Payments und Mobile Banking.

Bevor der Geldautomat seinen Siegeszug antreten konnte, mussten einige Hürden überwunden werden; darunter natürlich auch das Thema Sicherheit. Diebold beschreibt die Geburtswehen, die dem Einsatz des Geldautomaten vorausgingen. Geburtshelfer waren der Technologiehersteller REI mit seinem Tochterunternehmen Docutel und die Chemical Bank in New York.

Mit kleinen, wohl überlegten Schritten wagten sich der “Early Adopter” Chemical Bank und Docutel an die verheißungsvolle Neuerung heran.

Die ersten Erfolge der Chemical Bank mit der neuartigen Technologie blieben in der Branche natürlich nicht unbemerkt. Sehr aufmerksam verfolgten die Entwicklung CEO Walter Wriston und sein Vize John Reed von der Citibank. Reed erkannte das Potenzial für das Verbrauchergeschäft wohl als Erster. Schon bald nahm die Citibank mit dem >customer activated terminal< (CAT) ihr eigenes Projekt in Angriff.

In der Branche überwog hingegen nach wie vor die Skepsis.

Die Zweifler wurden im Laufe der Jahre eines Besseren belehrt. Da rollte mit dem POS schon die nächste Technologie-Welle heran. Zum damaligen Zeitpunkt, das Buch erschien 1990, war das mit den neuen Technologien verbundene Potenzial für das Bankgeschäft noch längst nicht allen Verantwortlichen in den Banken klar. Auch das sollte sich bald ändern.

Denkt man nun an die Diskussion um die Vor- und Nachteile von Mobile Payments, Mobile Banking, NFC-Bezahldiensten P2P Lending usw. dann lassen sich die Parallelen unschwer erkennen. Neu hinzugekommen ist die ernstzunehmende Bedrohung durch neue Anbieter, die in den Feldern Technologieanwendung, Informationsverarbeitung, Marketing wie auch Finanzkraft den Banken in nichts nachstehen.

Einzig die regulatorischen Hürden, die konservative Mentalität der Kunden, was das Bankgeschäft angeht, und das Vertrauen, das die Banken nach wie vor als Risikohändler in der Öffentlichkeit genießen (wenn auch dezimiert), stehen dem flächendeckenden Erfolg der potenziellen Herausforderer (noch) im Weg.

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