Die Bedeutung der “Schöpferischen Peripherie” für das Banking

Von Ralf Keuper

Die Provinz steht für gewöhnlich nicht in dem Ruf, Nährboden für schöpferische Ideen mit umwälzender Wirkung zu sein. Haben schon mittelgroße Provinzstädte Probleme, auf die “Kreative Klasse” (Richard Florida) anziehend zu wirken, so taugt das Dorf bestenfalls als Rückzugsgebiet für sozial Schwache und Alte (Vgl. dazu: Das Dorf. Zeitschrift für Ideengeschichte). Dabei kommen die revolutionären Ideen oder umwälzende Erfindungen häufig aus den Randgebieten. Der Schriftsteller und Kulturphilosoph Egon Friedell prägte hierfür den Begriff der “Schöpferischen Peripherie

Dass aber diese große Bewegung (Reformation) nicht von dem gelehrten Paris, dem glänzenden Rom oder dem weltbeherrschenden Madrid ihren Ausgang nahm, sondern von der armseligen, eben erst gegründeten Universität Wittenberg, beruht auf der sonderbaren historischen Tatsache, dass es fast immer die Peripherie ist, die die neuen schöpferischen Kräfte entbindet und die bedeutenden geistigen Umwälzungen inauguriert (in: Kulturgeschichte der Neuzeit)

Ein Blick auf Wirtschaftsgeografie Deutschlands liefert hierfür einige Belege, man denke an Baden-Württemberg oder Ostwestfalen.

Im Banking bzw. im Fintech-Sektor finden sich ebenfalls zahlreiche Beispiele, die die These der “Schöpferischen Peripherie” stützen:

Da wäre zum einen Skandinavien, und hier insbesondere Schweden mit Klarna und iZettle. Nicht zu vergessen: Island – die Randlage per se.

Gleiches gilt für Schottland, das man durchaus als Wiege einiger der wichtigsten Fintech-Innovationen bezeichnen kann.

Die Isle of Man will sich als internationaler Hub für die Blockchain-Technologie positionieren.

Im Baltikum sorgen gleich mehrere Fintech-Startups für Aufsehen, wie zuletzt Polybius mit seiner Absicht, die weltweit erste Blockchain-Bank zu errichten. Überhaupt gilt Estland als Vorreiter der Digitalisierung, was vor allem an dem eResidency – Programm festgemacht wird.

Israel schließlich ist führend im Bereich Cybersecurity.

In Afrika hat Mauritius die besten Voraussetzungen, der Banking-Hub des Kontinents zu werden.

Angesichts dessen könnte man zu der Schlussfolgerung gelangen, dass Regionalbanken eigentlich in besonderer Weise von der schöpferischen Kraft der Peripherie profitieren müssten …

Fintech-Startups müssten demnach nicht zwangsläufig in Städten wie Berlin oder Frankfurt angesiedelt sein, um mit ihren Ideen und Geschäftsmodellen Erfolg zu haben.

Für Niklas Luhmann wiegt der vermeintliche Nachteil der peripheren Lage ohnehin nicht so schwer:

Distanz vom Zentrum zählt als Nachteil aber nur, solange man nicht von Interaktion auf Kommunikation umsteigen kann.

 

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Ein Kommentar zu Die Bedeutung der “Schöpferischen Peripherie” für das Banking

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