Die Banken und die Rohstoffe

Von Ralf Keuper

In den letzten Jahren haben sich viele (Investment-)Banken aus dem Geschäft mit Rohstoffen zurückgezogen. Das weniger aus ethischen, sondern überwiegend aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Es lief schon mal besser, wie vor einiger Zeit in Rohstoffe werden für Banken zur Last und Rohstoff-Schock: Kredit-Risiko für die Banken steigt zu lesen war. Sinkende Rohstoffpreise und parallel dazu steigende Kreditrisiken vermiesen den Banken die Freude am Geschäft.

Die Banken stehen wegen ihres Engagements auf den Rohstoffmärkten seit Jahren in der öffentlichen Kritik. Zu den schärfsten Kritikern zählt Foodwatch (Vgl. dazu: Wie Banken mit Nahrungsmitteln zocken). Die Spekulation der Banken auf Nahrungsmittelpreise trage zu Hungersnöten bei, so Foodwatch im Jahr 2011 in Die Hungermacher. Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren.

Der Rückzug der Banken aus dem Rohstoffgeschäft ruft neue Spieler auf den Plan, wie die Marex Spectron Group Ltd in London, der größte Rohstoff-Broker an der London Metal Exchange, wie in Ex-Leonteq-Manager will Rohstoff-Geschäfte, die Banken aufgeben berichtet wird.

Da Deutschland, wie u.a. aus der Studie Rohstoffe für Zukunftstechnologien 2016 hervorgeht, im hohen Maß von ausländischen Rohstoffen abhängig ist, hat die deutsche Wirtschaft ein Interesse daran, dass der Abbau nicht an der nötigen Finanzierung scheitert. Hier leistet die KfW IPEX-Bank Unterstützung, wie in Mauretanien (Vgl. dazu: Finanzierungsbeispiel SNIM: Eisenerz aus Mauretanien für die deutsche Stahlindustrie). Besonders aktiv auf den internationalen Rohstoffmärkten ist China. Das Land benötigt für sein rasantes Wirtschaftswachstum große Mengen an Rohstoffen (Vgl. dazu: Chinas unersättliche Gier nach Rohstoffen ist riskant). Im Zentrum dabei: Kobalt, das für Elektrobatterien benötigt wird (Vgl. dazu: China drängt im Kobalt-Wettrennen ganz nach vorne). Ein wichtige Rolle spielt dabei Afrika (Vgl. dazu: Chinas Entwicklungsfinanzierung für Afrika). Afrikas Rohstoffe wecken auch in Japan Begehrlichkeiten (Vgl. dazu: Japan will sich Rohstoffe sichern). Die großen japanischen Banken waren und sind z.T. noch Bestandteil bzw. Nukleus der sog. Keiretsus, wie Sumitomo, Mitsui oder Mitsubishi. Der Rohstoffhandel war ein wichtiges Geschäftsfeld. Aus naheliegenden Gründen ebenfalls nicht untätig ist Korea (Vgl. dazu: Koreanische Außenwirtschaftsförderung ist breit aufgestellt). Das dortige Pendant zur hiesigen KfW ist die Export-Import Bank of Korea (Korea Eximbank).

Insofern ergibt sich ein differenziertes Bild. Einmal die Spekulation auf Nahrungsmittel und zum anderen die Finanzierung von Rohstoffabbau, die für die Herstellung von Zukunftstechnologien benötigt wird. Die Digitalisierung führt, wie häufig übersehen wird, zu einem hohen Rohstoffverbrauch – trotz ihrer Tendenz zu Dematerialisierung (Vgl. dazu: Wie ökologisch nachhaltig ist das New Banking?).

Die Metallbank, die konzerneigene Bank der Metallgesellschaft, war in Deutschland Vorreiter im Geschäft mit Rohstoffen (Vgl. dazu: Metallbank: Vorläufer der konzerneigenen Banken).

Nach Ansicht von Foodwatch ist die Finanzmarktrichtlinie MiFID2 ungeeignet, um künftige Nahrungsmittelspekulationen zu verhindern (Vgl. dazu: Agrarspekulation: Finanzmarkt-Richtlinie wirkungslos). Sollten die Preise für Nahrungsmittel ansteigen, würden die alten Muster wiederkehren und die Preise künstlich in die Höhe getrieben.

In den Mittelpunkt des Interesses dürfte künftig die Verbindung zwischen Smart Farming, Datenplattformen und Agrarspekulationen rücken (Vgl. dazu: Agriculture and food: the rise of digital platforms).

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