Die Bank – ein feststehender Begriff?

Von Ralf Keuper

Ist die Vorstellung dessen, was viele von uns mit dem Begriff “Bank” verbinden, auch in 20 oder 50 Jahren noch gültig? Gibt es so etwas wie eine zeitlose Bedeutung, die resistent gegen gesellschaftliche und technologische Veränderungen ist?

Wohl kaum.

Banken haben die Bedeutung, welche die Menschen zu einer bestimmten Zeit ihnen beilegen. Sie sind in gewisser Weise eine gesellschaftliche Konstruktion (Vgl. dazu: Banken als gesellschafliche Konstruktion der Wirklichkeit – Berger und Luckmann reloaded). Ihre Bedeutung wandelt sich. Die Funktion, in diesem Fall Banking, bleibt, die Form jedoch verändert sich (Vgl. dazu: New Banking: Funktion schlägt Form). Bis zur Finanzkrise 2007 war die Überzeugung weit verbreitet, dass Banken zur Gruppe der Finanzintermediäre zählen. Da Banken aber nicht nur als Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage tätig sind, sondern auch selber Geldschöpfung betreiben, ist diese Klassifizierung nach Ansicht vieler Zentralbanker hinfällig. Banken haben sich demnach von ihrem ursprünglichen Zweck entfernt – mit den bekannten Folgen. Als reine Vermittler wären sie schon jetzt fast vollständig ersetzbar.

Einige Beobachter sehen in dem Bankgeschäft ohnehin nur eine Form des speziellen Datenmanagements (Vgl. dazu: “Banking ist im Wesentlichen spezielles Datenmanagement” – Interview mit Dr. Norbert Häring) oder ein digitales Hauptbuch (Vgl. dazu: Die Bank: Letzten Endes nur ein digitales Hauptbuch?).

Dass eine Welt ohne Banken – prinzipiell – möglich ist, zeigt die vorübergehende Schließung der Banken in Irland im Jahr 1970 (Vgl. dazu: Geld in einer Wirtschaft ohne Banken: Irland im Jahr 1970). In dem Fall übernahmen die Pubs die Funktion der Banken bzw. des Finanzintermediärs:

… denn sie fungierten als Knoten in dem System, das wie ein Ersatz-Bankensystem Schecks einsammelte, indossierte und verrechnete. “Es sieht ganz so aus”, folgerte der irische Ökonom Antoin Murphy mit bewundernswerter Zurückhaltung, “als hätten die Inhaber dieser Einzelhandelsgeschäfte und Kneipen sehr gut über ihre Kunden Bescheid gewusst – schließlich schenkt man jemanden nicht jahrelang Alkohol aus, ohne etwas über seine flüssigen Mittel in Erfahrung zu bringen”.

Sicher – auf Dauer wäre dieses Ersatzsystem an seine Grenzen gekommen. Es zeigt aber dennoch, worum es im Kern beim Bankgeschäft geht. Diese Funktion kann auch von anderen Akteuren oder Institutionen mit einer ähnlichen oder noch besseren Datenlage als die Banken erfüllt werden. In der Plattformökonomie sind das die Digitalen Plattformen oder die Digitalen Ökosysteme. Oder aber ein über die Blockchain dezentral organisiertes Verrechnungssystem übernimmt diese Aufgabe.

Das Hauptmedium des Banking ist das Geld. Ebenso wie das Bankgeschäft verändert auch das Geld seine Form (Vgl. dazu: Der Formwandel des Tausch- und Zahlungsmittels “Geld” und seine Auswirkungen auf das Banking). Aktuellster Ausdruck dessen ist der Digitale Yuan in China. Ebenso Libra. Das Geld als Medienpraktik ist heute Teil einer Infrastruktur ohne Banken.

Die Funktion sucht sich eine neue, passendere Form. Ob die daraus entstehenden Institutionen dann noch als “Bank” bezeichnet werden, ist von nachgeordneter Bedeutung.

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