Die Ambitionen von BigTech im Banking und darüber hinaus

Von Ralf Keuper

Die großen Technologiekonzerne wie Apple, Amazon, Google und Facebook haben über die Jahre ihre Aktivitäten im Banking systematisch ausgedehnt. Momentan wird an vielen Stellen darüber spekuliert, ob und wann Google & Co. zu “echten” Banken werden, die der Regulierung unterliegen. Zu den informativsten und m.E. ausgewogensten Beiträgen zählt The Bank of Google. Does every big tech giant want to be a bank? Maybe… Probably!.

Google & Co. müssen gar nicht zu Banken werden, um das Banking zu dominieren, worauf in diesem Blog bereits seit Jahren hingewiesen wird. Das muss aber nicht heißen, dass es nicht doch eines Tages geschehen kann, wie in China, wo Alibaba mit Ant Financial/Alipay schon jetzt ein gewichtiger Akteur in der dortigen Finanzbrache ist.

Die Ambitionen von Google & Co. gehen weit über das Banking hinaus; es ist nur ein Teil des Puzzles – nicht mehr und nicht weniger. Für die Banken dagegen ist es das ganze Puzzle. Banking wird Teil integrierter Technologiekonzerne.

Die Marktmacht von Google & Co. bereitet nicht nur den Marktwächtern und Kartellbehörden zunehmend Sorge. Mittlerweile beschäftigt sich auch die Wissenschaft intensiv mit diesem neuen Phänomen, das häufig als digitale Plattform oder Digitales Ökosystem beschrieben wird. Diese wiederum ziehen mit ihren Services, Apps und Smartphones mehrere hundert Millionen Nutzer auf ihre Seiten. Sie beherrschen den Markt – wozu auch das Banking gehört.

Der Soziologe Philipp Staab bezeichnet in seinem Buch Digitaler Kapitalismus – Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit Google und Apple als die neuen Merkantilisten, die keine Werte schaffen, sondern leistungslose Renten erwirtschaften (Vgl. dazu: Was kommt nach dem Liberalismus?). Bei Google, Apple & Co. handele es sich nicht um neutrale Intermediäre, sondern um “Marktbesitzer”. Sie agieren als Meta-Plattformen und technische Ökosysteme, die mit ihrer Software (Betriebssysteme) und Hardware (Smartphone) die Regeln bestimmen. Sie verfügen über die Kontrolle der Informationen, des Marktzugangs, der Preise und des Leistungsangebots. Durch das Angebot eigener Bankdienstleistungen oder in Kooperation mit anderen Banken, wie jetzt bei Google, reichern die großen Technologiekonzerne ihren ohnehin schon großen Datenbestand weiter an, um damit ihre Position weiter zu stärken. Die Bankenbranche wird, wie andere auch, von BigTech versklavt (Vgl. dazu: BigTech im Banking: Die (zu) lang unterschätzte Bedrohung).

Fragen, ob die BigTechs nun zu echten Banken werden oder nicht, sind damit zweitrangig. Das ist das eigentliche Thema bzw. Dilemma.

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