Der Helaba-Skandal der 1970er Jahre und die ersten Gedankenspiele zu einer “Superlandesbank”

Von Ralf Keuper

In den vergangenen Jahrzehnten musste fast jede Landesbank von ihren Anteilseignern gestützt werden, um einen Marktaustritt zu verhindern. Bei der WestLB war die Lage jedoch so ausweglos, dass man beschloss, die Bank aufzulösen. Andere Landesbanken, wie die SachsenLB oder die Bremer Landesbank, mussten ihre Eigenständig aufgeben und sich in die schützenden Arme einer größeren Landesbank begeben, die selber mit großen Probleme zu kämpfen hatte und haben, wie bei der LBBW und der NordLB. Letztere musste bereits im Jahr 1974 “gerettet” werden (Vgl. dazu: Déjà-vu: Die NordLB im Jahr 1974). Etwa zur selben Zeit geriet auch die Hessische Landesbank (Helaba) in eine bedrohliche Schieflage – bekannt als Helaba-Skandal.

In der ersten Hälfte der 1970er Jahre beteiligte sich die Hessische Landesbank (Helaba) an spekulativen Risikogeschäften, unter anderem den Immobilienprojekten Schwabylon in München und Sonnenring in Frankfurt-Sachsenhausen. Besonders hohe Verluste sammelten sich bei der „Investitions- und Handelsbank“ (IHB) an, die seit 1973 mehrheitlich der Helaba gehörte. In der Summe hatte die Helaba Verluste in Milliardenhöhe eingefahren. Am 17. Dezember 1973 trat der Präsident der Helaba Wilhelm Hankel (SPD) unter dem Vorwurf zurück, er habe den Verwaltungsrat nicht rechtzeitig über die Probleme informiert. Ende 1974 stand die Helaba dadurch dicht vor dem Konkurs, der nur durch Kredite des Landes Hessen und der Sparkassen abgewendet werden konnte (Quelle: Wikipedia).

In der Kritik standen damals der Chef der Helaba, Wilhelm Hankel (später als Euro-Gegener in den Medien bekannt) und der hessische Ministerpräsident Albert Osswald. Die Führung der Bank ließ über Jahre keine Chance ungenutzt, um im Firmenkundengeschäft eine wichtige Rolle zu übernehmen:

Bei kaum einer Pleite von Rang fehlte die Hessische Landesbank, fast immer besetzte sie eine Starrolle: Beim Ende des Baulöwen Kun und der Bau-Kredit-Bank (Helaba-Kredit: 10,3 Millionen Mark) und Weissenberger (20 Millionen Mark), im amerikanischen San Diego (1,5 Millionen Dollar) und bei deutschen Eroszentren: Wenn”s krachte, war Hankels Helaba mit von der Partie.

Hankel musste seinen Stuhl räumen. Die Helaba wurde durch eine Kapitalspritze (Gemeinschaftshilfe) der Sparkassen und des Landes Hessen”gerettet”. Zum Jahresende 1976 erhielt die Helaba eine Bargeldspritze in Höhe von 2 Mrd. DM.

Als Folge der Krise der Helaba und NordLB setzten Überlegungen ein, eine Superlandesbank aus der Taufe zu heben; zumindest aber mehrere kleinere Landesbanken den größeren einzugliedern. Angedacht war die Fusion der WestLB und Helaba – damals noch unter Führung der WestLB. Nicht alle konnten sich mit dem Gedanken einer Superbank anfreunden:

Mit der Fusion, der sich dann wohl auch die Deutsche Girozentrale hinzugesellen würde, entstünde eine Superbank, die mit fast 120 Milliarden Mark Bilanzsumme sogar etwas größer wäre als der Konzern der Deutschen Bank. Was das Kartellamt zu einem solch spektakulären Vorgang sagen würde, ist völlig offen, weil es irgendwelche vergleichbaren Fälle aus dem Kreditwesen noch nicht gibt. …

Über die Gewährträgerhaftung müßte neu nachgedacht werden. Den Ländern könnte es nicht mehr zugemutet werden, für solch ein Rieseninstitut unbedingt und gesamtschuldnerisch zu haften (Quelle: Die Eigentümer sind am Zuge).

Das Projekt “Superlandesbank” feiert derweil fröhliche Urständ (Vgl. dazu: Super-Landesbank kommt, möglichst ohne Länder: Schleweis). Da stellt sich mit Blick auf die Erfahrungen der Vergangenheit die Frage, wie eine solche Superlandesbank im Krisenfall “gerettet” werden kann. Nach heutigen Maßstäben wäre sie systemrelevant.

Keine wirklich beruhigende Aussicht.

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