Das „BRZ-Debakel 1985”: Das unrühmliche Ende der Bayerischen Raiffeisen-Zentralbank AG und dessen Folgen im genossenschaftlichen Verbund

Von Ralf Keuper

Im Herbst 1985 geriet das Spitzeninstitut der Bayerischen Raiffeisenorganisation, die Bayerische Raiffeisen Zentralbank AG,  in eine bedrohliche Schieflage, die ihr die Existenz kosten sollte. In nur drei Monaten verschwand die Bank vom Markt.

Zu Beginn der 1980er Jahre hatte die BRZ ihr Privatkunden- und Kreditgeschäft erheblich ausgeweitet. Bei der Finanzierung von Immobilien (Bauträger) wurden erhebliche Kreditrisiken in die Bücher genommen. Trotz des gestiegenen Kreditvolumens unterließ man es weitgehend, die organisatorischen Strukturen, wie im Risikomanagement, der neuen Geschäftspolitik anzupassen. Der Konkurs eines Bauträgers brachte die Risiken ans Licht. Eine Kredit- Sonderprüfung der Bankenaufsicht ergab einen Wertberichtigungsbedarf von 750 Mio. DM (Vgl. dazu: Die Bayerische Raiffeisen-Zentralbank drängte ins große Geschäft – und verspielte eine Dreiviertel-Milliarde mit Bauherrenmodellen). Als dann die Sonderprüfung der Treuarbeit AG nur wenig später einen noch höheren Wertberichtigungsbedarf ermittelte, war der BVR gezwungen, rasch zu handeln.  Unter Leitung der damaligen DG Bank wurde ein Sanierungspaket mit einem Volumen von 1,5 Mrd. DM geschnürt. Mit Wirkung zum 31. Dezember 1985 wurde das Bankgeschäft der BRZ auf die DG Bank übertragen.

Für den Autor des Buches Das „BRZ-Debakel 1985”: Das unrühmliche Ende der Bayerischen Raiffeisen-Zentralbank AG und dessen Folgen im genossenschaftlichen Verbund , Wilhelm Frankenberger, ist der Untergang der BRZ ein historischer Moment, ein Stilbruch in der Geschichte der Genossenschaftsbanken in Deutschland:

Mit dem Scheitern der BRZ war zum ersten Mal eine regionale Zentralbank auf die DG Bank übertragen worden – mit weitreichenden Folgen. Der bis dahin nur theoretisch diskutierte Weg von der Drei- in die Zweistufigkeit im genossenschaftlichen Bankensektor war damit erstmals, wenn auch unfreiwillig, beschritten worden. Wenige Monate später, im Herbst 1986, entschloss sich auch die wesentlich kleinere Zentralbank der bayersichen Volksbanken und gewerblichen Warengenossenschaften, die Bayerische Volksbanken AG, ihr Bankgeschäft mit Wirkung zum 31. Dezember 1986 auf die DG Bank zu übertragen.

Einige Jahre später musste die DG Bank selber “gerettet” werden (Vgl. dazu: Als die DG Bank das ganz große Rad drehen wollte).

Die Genossenschaftsbanken haben, wenngleich eher unfreiwillig, den Fall BRZ zum Anlass genommen, ihre regionalen Zentralbanken in ein Spitzeninstitut zu überführen, wie zuletzt die WGZ Bank in die DZ Bank. In dieser Hinsicht haben die Genossen entschlossener gehandelt als die Sparkassenorganisation mit ihren Landesbanken.

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