Commerzbank: Wende geschafft?

Von Ralf Keuper
Nach Jahren der Reorganisation geht die Commerzbank in die Offensive. Signal des Aufbruchs war die Ankündigung der Bank, nach acht Jahren wieder eine Dividende zu zahlen. Dennoch gehen die Meinungen darüber, ob die Commerzbank die Wende geschafft hat, auseinander. 
Nach wie vor ist der Bund über den Bankenrettungsfonds Soffin mit 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Die Aussichten, den Gegenwert in vollem Umfang realisieren zu können, sind nach Meinung der FAZ nicht allzu günstig:

Noch immer belaufen sich die Kapitalmaßnahmen des Soffin auf 15,8 Milliarden Euro, davon machen die 15 Prozent an der Commerzbank ein Drittel aus. Die Beteiligung wird mit 5,1 Milliarden Euro bewertet, ist derzeit an der Börse aber nur 1,8 Milliarden Euro wert. Der Aktienkurs der Commerzbank müsste sich fast verdreifachen, was trotz deren Genesung utopisch erscheint.

Schon bald, so das Handelsblatt, will die Commerzbank ohne ihre interne Bad Bank mit dem Namen NCA auskommen. 
Strategisch neu ausgerichtet
Die Commerzbank hat sich strategisch neu aufgestellt. Kern der Strategie ist das Privatkundengeschäft. Von herausgehobener Bedeutung ist dabei die Filiale. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost erläuterte Bereichsvorstand Jenny Friese, warum man bei der Commerzbank an der Filiale festhält. Ohne Filialen, so Privatkundenvorstand Martin Zielke in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, gebe es kein Wachstum. 
Um sich, in diesem Punkt jedenfalls, weiter von den Mitbewerbern abzuheben, macht die Commerzbank von Ironie, ja schon Zynismus Gebrauch, wie in in dem Spot Eingepackt – Schließung einer Bankfiliale
Die Angriffslust bekam Ende des Jahre auch die Deutsche Bank zu spüren, die von der Commerzbank verklagt wurde. Im Zentrum stehen dabei hypothekenbesicherte Wertpapiere, welche die Commerzbank vor der Finanzkrise von einer Tochter der Deutschen Bank erworben hatte. 
Fintech
Was das derzeit aufstrebende Marktsegment Fintech betrifft, ist die Commerzbank ebenfalls rührig. Mehr als ein Signal war die Gründung des Main Incubators. Schwerpunkt sind dabei Anwendungen für das Firmenkundengeschäft. Informativ in dem Zusammenhang  sind die Beiträge Die drei Fintech-Säulen der Commerzbank und Die Innovationsprojekte der Commerzbank.
Kundendaten gezielt nutzen
Die Commerzbank beabsichtigt einem Bericht der Kölnischen Rundschau zu Folge, die Kundendaten gezielter zu nutzen. Darin wird u.a. der Bereichsvorstand für das Privatkundengeschäft, Michael Mandel zitiert: 

Dabei gehe es um Service, nicht um den gläsernen Kunden, versicherte Mandel: „Wir halten die Datenschutzbestimmungen sklavisch ein.“ Mandel betonte: „Wir sind keine amerikanische Datenkrake. Das werden wir auch nicht werden. Dass wir aber Daten, die wir haben, intelligenter nutzen, erwarten Kunden von uns.“

Geplant sei weiterhin, die Kürzung der Produkte von derzeit 500 auf 250 sowie eine offene Plattform für Ratenkredite.  
Bewertung
Ob die Commerzbank mit den bereits durchgeführten wie auch den angekündigten Maßnahmen die Wende schaffen, d.h. eine Universalbank mit nachhaltigem profitablen Geschäftsmodell, sein wird, steht für mich noch nicht fest. Das Universalbank-Modell hat m.E. ausgedient. Dafür steht das Geschäftsmodell als Folge der fortschreitenden Digitalisierung und des Medienwandels von zu vielen Seiten gleichzeitig unter Druck. Insofern könnte es sich um ein letztes Aufbäumen handeln. Einige Aktienanalysten monieren das kostenlastige Geschäftsmodell mit 1.100 Filialen. 
Die Bank hat sich jedenfalls einiges vorgenommen. Es wird an vielen Stellen gleichzeitig geschraubt, was der Quadratur des Kreises schon recht nahe kommt. Ein Umbau von diesen Ausmaßen war schon in der guten alten Zeit ambitioniert und führte nur selten zu dem gewünschten Ergebnis. Fairerweise muss man aber einräumen, dass irgendwo angesetzt werden muss, wenn man sich nicht dem Vorwurf der Untätigkeit aussetzen will. Mutig ist es allemal – und das jetzt ohne jede Ironie. 

Weitere Informationen

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