Brauchen wir einen Banking Data Space?

Von Ralf Keuper

Daten sind so etwas wie der Treibstoff der Digitalmoderne. Wer Zugriff auf große Datenmengen hat und daraus wertvolle Informationen gewinnen kann, verfügt über einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil. Das ist der Grund, weshalb in letzter Zeit verstärkt darüber diskutiert wird, ob und wie man die Macht der Internetkonzerne beschneiden kann (Vgl. dazu: EU Asks: Does Control of ‘Big Data’ Kill Competition?).

Einige namhafte Unternehmen haben zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Fraunhofer IML eine Initiative gestartet, um einen sicheren gemeinsamen Datenraum, den Industrial Data Space, zu schaffen.

Zur Zielsetzung:

Die Initiative zum Industrial Data Space zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, einen sicheren Datenraum zu schaffen, der Unternehmen verschiedener Branchen und aller Größen die souveräne Bewirtschaftung ihrer Datengüter ermöglicht.

Informativ ist auch das Whitepaper.

Mittlerweile gibt es auch die Initiative Medical Data Space.

Nur einen Banking Data Space gibt es nicht – warum eigentlich?

Angesichts der Bedrohung des Geschäftsmodells der Banken durch die Internetkonzerne wäre das nahe liegend – eher noch als in der Industrie. Das Produkt der Banken besteht nämlich, wie bei den Medien, nur aus Information. Ein gemeinsamer Datenraum für Banken, Fintech-Startups, Third Party Provider (TPP) Versicherungen und andere Finanzdienstleister. Mit PSD2 und Open Banking bestehen dazu die Voraussetzungen. Wenn die Banken verhindern wollen, dass Google & Co. demnächst auch die Bankdaten unter ihre Fittiche nehmen, dann wäre ein gemeinsamer Data Space nicht die schlechteste Idee (Vgl. dazu: Das Bankkonto wird zum offenen Buch). Ein gemeinsam bewirtschafteter Datenraum. Alleine wird es keine Bankengruppe schaffen.

Oder aber, was ich persönlich für wahrscheinlicher halte, es bildet sich u.a. durch den Einfluss der Distributed Ledger Technologies und regulatorischer Bestimmungen wie die DSGVO und die ePrivacy-Richtlinie eine neue Form der Datenökonomie: die persönliche Datenökonomie (Vgl. dazu: Die persönliche Datenökonomie: Plattformen, Datentresore und persönliche Clouds).

Die neue Rollenverteilung könnte sich an folgendem Schaubild orientieren:

Für die neuen Banken (Personal Data Banks, Identity Banks, Banken für digitale Identitäten, Cybersecurity Banks) kämen die Rollen Clearing House und Identity Provider in Frage; evtl. noch App Store Provider. Weitere Dienstleister im dem Kontext wären Personal Data Banking Provider und Startups aus den Bereichen RegTech und LegalTech.

In der Summe wäre das dann ein Banking Data Space oder vielleicht treffender, ein Data Banking Space.

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