Auguren des Geldes. Eine Kulturgeschichte des Finanzjournalismus in Deutschland 1850–1914

Aus dem Vorwort:

Es waren die Ereignisse des Septembers 2008, die wohl erstmals mein Interesse am Finanzjournalismus weckten: der Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und seine mediale Dauerbegleitung. Was sich auf den Finanzmärkten zutrug, erreichte uns über die Medien, die Finanzmärkte und ihre mediale Repräsentation waren kaum noch voneinander zu trennen. Durch die Medien sprachen Bundeskanzlerin und Finanzminister zu uns – nicht zu uns als Bürger, sondern als Sparer. »Vertrauen schaffen« war die Losung der Stunde, und kein Weg führte hier an den Medien vorbei: Ihre Berichterstattung beförderte Vertrauen – oder sie zerstörte es. Die Jahre seit 2008 haben in einem Ausmaß wie wohl nie zuvor öffentliche Debatten über die Rolle der Medien im Kontext finanzieller Krisen angestoßen und Finanzjournalisten mehr als bisher zu einer kritischen Reflexion ihres beruflichen Tuns angehalten. Hatten die Medien die nach der Lehman-Pleite einsetzende und sich verschärfende Krise der Weltwirtschaft nur beschrieben oder hatten sie die Krise durch ihre Berichterstattung unweigerlich auch befördert? Denn je intensiver die Krise in den Medien begegnete – ob als Finanz-, Banken-, Schulden- oder Eurokrise –, desto krisenhafter schien die Wirklichkeit dem Einzelnen auch entgegenzutreten. Diese Ambiguität des Krisenjournalismus ist wohl das eigentliche Faszinosum der Jahre seit 2008. Sie ließ in mir die Frage aufkommen, wie sich das Verhältnis von medialer Berichterstattung und Finanzmarktgeschehen historisch entwickelt hatte, und ob sich dadurch nicht nur die Geschichte besser verstehen ließe, sondern auch unsere eigene krisengeprägte Gegenwart.

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Weitere Informationen:

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