Von Ralf Ohl­hau­sen, Busi­ness Deve­lo­p­ment Direc­tor bei der PPRO Group

Con­ve­ni­en­ce is king – die­ser Leit­spruch des mobi­len Zeit­al­ters hat schon so man­chem an sich guten Ser­vice den Todes­stoß ver­setzt. Um auf mobi­len Gerä­ten – immer­hin dem mit Abstand per­sön­lichs­ten Stück Tech­nik – erfolg­reich zu sein, genügt es schon lan­ge nicht mehr, „nur“ umfang­rei­che Funk­tio­nen zu bie­ten. Viel­mehr müs­sen vor allem die Nut­zer­er­fah­rung und der Mehr­wert zum per­sön­li­chen Life­style pas­sen. 

Ein Ziel, das sich nun auch eini­ge Groß-Spar­kas­sen auf die Fah­ne geschrie­ben haben. Zwar wur­de die bis­he­ri­ge Spar­kas­sen-App im ver­gan­ge­nen Juni von Stif­tung-Waren­test zum Test­sie­ger gekürt, doch sieht sie optisch eher aus wie ein E‑Mail-Post­fach der ers­ten Stun­de als nach einer moder­nen Sys­tem-App der Mar­ke Apple, Goog­le oder Face­book. Zudem kla­gen Nut­zer der Android-Vari­an­te über tech­ni­sche Pro­ble­me und Bedie­nungs­hür­den. Funk­tio­na­li­tät allein ist nur noch ein Aspekt im Ent­schei­dungs­pro­zess und wenn sich die Tech­nik dem Life­style unter­ord­net, wird User Expe­ri­ence zum höchs­ten Gut. 

Mal schnell den Zah­lungs­ver­kehr che­cken oder am bes­ten eine simp­le Info­gra­fik für den Über­blick ein­se­hen – mit die­ser Prä­mis­se gewan­nen Mobi­le-Ban­king-Fin­techs bereits gro­ße Nut­zer­zah­len. Mit ein­fa­chen Ges­ten wischt der Nut­zer durch die Mona­te, wählt sei­ne gewünsch­ten Infor­ma­tio­nen aus Dia­gram­men aus und fühlt sich dabei eher an sei­ne Wet­ter- oder Sport-App erin­nert, denn an eine Ban­king-App. Und so ver­wun­dert es auch nicht, dass eine kürz­lich von Fuji­tsu durch­ge­führ­te Stu­die unter 7.000 euro­päi­schen Befrag­ten zu dem Ergeb­nis kam, dass gan­ze 37 Pro­zent den Anbie­ter wech­seln wür­den, soll­ten Ban­ken kei­ne zeit­ge­mä­ßen Tech­no­lo­gien zur Nut­zung bereit­stel­len. Und immer­hin jeder Zwei­te nutzt bereits eine Mobil-App sei­nes Finanz­dienst­leis­ters, Ten­denz in bei­den Fäl­len steigend.

Wer ins­be­son­de­re jun­ge Kun­den anspre­chen möch­te, muss ihnen neben der rei­nen Funk­ti­ons­ebe­ne auch ein anspre­chen­des Design bie­ten. Geld fließt heut­zu­ta­ge wei­test­ge­hend digi­tal und abs­trakt, doch die Dar­stel­lung gleicht noch dem gewohn­ten Prin­zip auf dem Kon­to­aus­zug. Dia­gram­me und Zäh­ler, wie sie aus vie­len ande­ren (etwa Fitness-)Apps bekannt sind, bie­ten gelern­te Sche­ma­ta und Inter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten, die das Ban­king zum har­mo­ni­schen Bestand­teil der Gesamt­nut­zer­er­fah­rung machen kön­nen. Letzt­lich kann man Geld­ein- und aus­gän­ge ganz ähn­lich dar­stel­len wie Kalo­ri­en­auf­nah­me und –ver­brauch. Wer mit sei­nem Finanz­dienst­leis­ter so natür­lich und bar­rie­re­frei kom­mu­ni­ziert, wie mit sei­nen mobi­len Kon­tak­ten und Daten, wird schnell zum loya­len Kun­den.

Vie­le mobi­le Spar­ten haben bereits ein­drucks­voll demons­triert, dass Plu­ra­lis­mus in der digi­ta­len Welt weit weni­ger gefragt ist als bis­her. Es gibt im Wesent­li­chen ein sozia­les Netz­werk, einen Kurz­nach­rich­ten­dienst, eine Such­ma­schi­ne. Die­se Ent­wick­lung ist im Ban­ken­sek­tor eher unwahr­schein­lich, doch eines ist den Diens­ten gleich: Sie haben ihre Posi­ti­on pri­mär über die Nut­zer­er­fah­rung errun­gen und aus­ge­baut. Wer also auch mor­gen noch mit­spie­len will, muss Trends set­zen, statt ihnen hin­ter­her­zu­lau­fen. Sonst laden sich die User mor­gen ein­fach die App eines ande­ren Finanz­dienst­leis­ters her­un­ter – nie ging es leich­ter als heute.

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