Als die Geldwechsler zu Bankiers wurden (Jacques Le Goff)

Sie übten vor allem zwei traditionelle Funktionen aus: den Geldwechsel (von daher ihr Name) und den Handel mit Edelmetallen. Sie waren die Hauptlieferanten von Edelmetallen, welches sie von ihren Kunden in Form von Barren oder häufiger in Form von Geschirr erhielten. Den Umständen entsprechend exportierten sie auch Edelmetalle, trotz des theoretischen Monopols der Münzer. Durch diese Geschäfte bestimmten sie den Edelmetallpreis, übten einen großen Einfluss auf seine Schwankungen aus und neigten dazu, den Markt für Edelmetalle zu beherrschen.  

Zu den alten Funktionen kamen neue hinzu: die Annahme von Einlagen, die Reinvestition von Darlehen. Sie wurden zu Bankiers. Durch diese Einlagen, die Akzeptation laufender Konten für ihre größten Kunden, durch Darlehen, Vorauszahlungen, Investitionen und bargeldlose Überweisungen waren sie die unentbehrlichen Helfer der Kaufleute und Wohlhabenden geworden, die alle ihr Konto bei einem Geldwechsler hatten:  ..

An der Spitze standen jedoch diejenigen, die man in Brügge die Wechselmakler nannte und die in Florenz die banchi grossi abhielten, also die Kaufmannsbanquiers im eigentlichen Sinne des Wortes. Ihre Aktivitäten waren nicht spezialisiert. Zusätzlich zum Warenhandel aller Art, den sie mit Exporten und Importen auf internationaler Ebene betrieben, übten sie noch eine vielfältige finanzielle Tätigkeit aus: das Wechselgeschäft, die Annahme von Einlagen und Kreditoperationen, die Teilhabe an mehreren “Sozietäten” und das Versicherungsgeschäft gehörten dazu. Wie die Medici, die in Florenz zwei Tuchfabriken und eine Seidenfabrik besaßen, waren sie oft auch Produzenten, “Industrielle”.

Quelle: Jacques Le Goff. Kaufleute und Bankiers im Mittelalter 

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