Mit der Volksbank Kleverland gibt es den siebten Stützungs- oder Aufsichtsfall im genossenschaftlichen Sektor innerhalb weniger Jahre. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Serie ähnlich gelagerter Einzelfälle. Bei genauerem Hinsehen zerfällt die Serie in zwei entgegengesetzte Ausfallmuster – die sich ausgerechnet an derselben aufsichtsrechtlichen Stelle treffen: der Gesamtbanksteuerung.
Der Anlass
Die Volksbank Kleverland hat beim BVR Unterstützung beantragt, weil bei mehreren Krediten erheblicher Wertberichtigungsbedarf festgestellt wurde. Der Fall selbst ist noch dünn dokumentiert – über die Höhe der Garantien schweigt die Bank bislang. Interessant wird er erst im Kontext: In gut zweieinhalb Jahren hat die Sicherungseinrichtung des BVR fünf Institute mit rund 1,5 Milliarden Euro gestützt, mit der Volksbank Braunschweig Wolfsburg zeichnet sich ein weiterer, möglicherweise der bislang größte Fall ab. Wer die Liste der letzten Jahre durchgeht, stößt schnell auf ein Muster – oder genauer: auf zwei.
Zwei Kategorien, ein Befund
Die erste Gruppe ist die vertrautere: Institute, die aktiv über ihr Kerngeschäft hinausgegriffen haben. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus finanzierte zuletzt zu fast 90 Prozent gewerbliche Immobilien, bundesweit statt regional – ein Bruch mit dem Regionalprinzip, das historisch die eigentliche Risikokontrolle der Genossenschaftsbanken war. Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden betrieb unter anderem eine „Fußball-Finanzierung“-Sparte und finanzierte Immobilien weit außerhalb des Geschäftsgebiets. Die Volksbank Brawo baute ein Netz von über 400 Beteiligungsgesellschaften auf, von Immobilienprojekten bis zu Fitnessstudios. Das Bankhaus RSA wuchs zu schnell und konzentrierte sich auf zu wenige Geschäftsbereiche. In allen diesen Fällen war es dieselbe Nullzinsphase, die die Risiken zunächst…
