Die BIS und das IIF haben mit Project Agorá einen technisch beeindruckenden Prototyp für tokenisierte Zentralbankreserven und Bankeinlagen vorgelegt—sieben Zentralbanken, über vierzig regulierte Institute, sorgfältige Rechtsanalyse. Das Projekt beeindruckt. Und es wird scheitern. Denn die strukturellen Ursachen, an denen alle Vorgängerprojekte gescheitert sind, hat auch Agorá nicht beseitigt—sie hat sie nicht einmal adressiert.
Immer wieder dieselbe Geschichte
Es ist eine vertraute Dramaturgie. Eine angesehene Institution—diesmal die BIS gemeinsam mit dem IIF—beruft ein Konsortium aus Zentralbanken und Geschäftsbanken ein. Man analysiert die bekannten Friktionen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr: zu langsam, zu teuer, zu intransparent, zu fehleranfällig. Man entwickelt einen technologisch ambitionierten Prototyp. Man veröffentlicht ein umfangreiches Papier. Und dann: Stille.
Die Liste der Vorgänger ist lang. R3/Corda versammelte einst über vierzig Großbanken hinter sich, absorbierte Milliardeninvestitionen und endete als Nischenanbieter. JPMorgans Interbank Information Network wurde zu Liink—und dann still eingestellt. We.trade, das Handelfinanzierungsnetzwerk von IBM und einem Bankenkonsortium, meldete 2022 Insolvenz an. Das Marco Polo Network folgte 2023. Fnality International, einst als Utility Settlement Coin gestartet, vegetiert weiter vor sich hin. Das einzige Projekt, das im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr wirklich Traktion gewann, war SWIFT GPI—weil es die bestehende Infrastruktur verbesserte, statt sie zu ersetzen.
Project Agorá ist die nächste Aufführung dieses Stücks.
Was das Projekt leistet—und was es nicht löst
Das ist nicht als Ablenkung gemeint. Die technische Leistung von Agorá ist substanziell. Die zweischichtige Architektur aus einem gemeinsamen „unifying ledger” für tokenisierte Bankeinlagen und jurisdiktionsspezifischen Ledgern für tokenisierte Zentralbankreserven ist durchdacht. Das Konzept der atomaren Abwicklung—entweder alle Salden werden aktualisiert oder keiner—beseitigt in der Theorie Settlement-Risiken. Das Vorziehen von Compliance-Prüfungen und Pfadfindung vor die Liquiditätsbindung ist eine genuine Innovation gegenüber dem heutigen sequentiellen Prozess. Die Rechtsanalyse in sieben Jurisdiktionen ist sorgfältig und kommt zu dem hilfreichen Ergebnis, dass Tokenisierung die rechtliche Natur von Geld nicht verändert.
All das ist echte Arbeit. Und all das beantwortet die entscheidende Frage nicht.
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