Zwangsfusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank?

Von Ralf Keuper

Im Finanzministerium wird seit einiger Zeit die Möglichkeit eruiert, ob es nicht sinnvoll wäre, die Deutsche Bank und die Commerzbank zu fusionieren. Dafür würde der Bund, wie schon bei der Commerzbank, Anteilseigner. Darüber wird u.a. in Was wäre, wenn Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren? berichtet. Ein weiteres Modell sieht den Einstieg  eines Konsortiums deutscher Industrieunternehmen und des Bunds vor.

Bei den Szenarien handelt es sich nicht um Gedankenspielereien; sie haben einen ernsten Hintergrund. Beide Banken sind seit Jahren im Grunde genommen ein Sanierungsfall. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Aus eigener Kraft können sich weder Deutsche Bank und noch weniger die Commerzbank aus der Sackgasse befreien, in die sie sich manövriert haben, wenngleich man der Commerzbank zugute halten muss, dass sie von der damaligen Bundesregierung, sagen wir, wohlwollend dabei unterstützt wurde, die kriselnde Dresdner Bank von der Allianz zu übernehmen. Der Regierung war an einem zweiten großen Bankhaus in Deutschland und daran gelegen, ein Überspringen der Finanzkrise auf die Allianz zu verhindern. Damit scheiterte übrigens die Vision des Allfinanzkonzerns des damaligen Finanzvorstands der Allianz, Paul Achleitner, heute AR-Vorsitzender der Deutschen Bank (Vgl. dazu: Allianz und Dresdner Bank: Bilanz des Scheiterns).

FAZ-Autor Henning Peitsmeier hielt dazu seinerzeit fest:

Gescheitert sind beide Konzerne an den eigenen Ansprüchen. Dabei ist der Notausstieg der Allianz obendrein moralisch verwerflich: Denn letztlich steht nun der Steuerzahler für den Verkauf der Dresdner an die Commerzbank gerade, indem er die „neue“ Commerzbank mit 18 Milliarden Euro stützt.

Insofern würde sich im aktuellen Fall ein Muster aus der jüngeren Vergangenheit wiederholen; mit einem wahrscheinlich ähnlichen Ausgang.

Die deutsche Wirtschaft ist auf die Deutsche Bank und mehr noch auf die Commerzbank bei ihren Geschäften im In- und Ausland kaum noch angewiesen (Vgl. dazu: Deutsche Bank ist für die Deutschland AG nicht mehr unersetzlich). Die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat, während Deutsche Bank und Commerzbank vorwiegend mit sich selbst beschäftig waren und sind, kann durchaus als Bestätigung der vorherigen Diagnose gewertet werden.

Womöglich wäre die Zwangsfusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank auch eine prophylaktische Maßnahme: Sollte demnächst erneut eine Finanzkrise ausbrechen, dann wären Deutsche Bank und Commerzbank nach Lage der Dinge akut in ihrer Existenz gefährdet; mit unabsehbaren Folgen für die (Welt-)Wirtschaft.

Welche Optionen hätte die Bundesregierung bzw. das Finanzministerium:

Mein Favorit: In einem ersten Schritt die Zusammenlegung der beiden Banken unter einem neuen Firmennamen. Danach Abspaltung des Investmentbanking – womöglich in eine Bad Bank. Es blieben die zwei Säulen Privatkunden- und Firmenkundengeschäft. Das alles ginge jedoch nicht ohne massiven Personalabbau.

Die verbleibende Bank würde sich also wieder dem ursprünglichen Geschäftsmodell einer kontinentaleuropäischen Universalbank annähern, wie es von Hermann-Josef Abs präferiert wurde (Vgl. dazu: Die Deutsche Bank unter Hermann Josef Abs).

Allerdings haben die Zeiten sich gewandelt. Die Deutschland AG alter Prägung ist ein für alle mal Vergangenheit. Die Digitalisierung bzw. die Plattformökonomie fordern von den Banken neue Antworten. Eine Bank, die aus der Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank hervorgeht, müsste sich diesen Herausforderungen stellen. Ihre Vorgängerinstitute sind daran bislang gescheitert. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass eine Fusion die Aussichten verbessert.

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