Zahl der Geldautomaten in Deutschland sinkt

Von Ralf Keuper

Mit der Verbreitung von Online-Bezahlverfahren und der Möglichkeit, Geld in Supermärkten abheben zu können, hat der Bedarf an Geldautomaten abgenommen. Die goldenen Zeiten des Geldautomaten sind allem Anschein nach – auch im Bargeldland Deutschland – vorbei, wie ein Blick auf diverse Statistiken und Beiträge zu dem Thema zeigt:

In Der Geldautomat stirbt aus — und die deutsche Kreditwirtschaft weiß es längst heisst es zu den aktuellen Zahlen:

Nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft – des Dachverbands der deutschen Banken — gab es Ende 2017 noch knapp 58 400 Geldautomaten in Deutschland. Der Höhepunkt wurde mit 61 100 Maschinen im Jahr 2015 überschritten.

Laut einer Aufstellung des Bundesverbands der Deutschen Volks-und Raiffeisenbanken betrug die Zahl der Geldautomaten in Deutschland im Jahr 2017 58.372 nach 60.038 im Jahr 2016. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken selber war die Entwicklung ähnlich: So fiel hier die Zahl der Geldautomaten von 18.701 im Jahr 2016 auf 18.362 im Jahr 2017.

Quelle: BVR

Bis zum Jahr 2011 ist die Zahl der Geldautomaten in Deutschland, von minimalen Rückgängen abgesehen, kontinuierlich gestiegen. Der Höhepunkt wurde 2015 mit 61.118 Geräten erreicht. Seitdem sinkt die Zahl. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Zahl nicht wieder steigen könnte. Angesichts der eingangs erwähnten Entwicklungen ist das jedoch eher unwahrscheinlich – auch in Deutschland. Übrigens: Auch in Österreich sinkt inzwischen die Zahl der GAAs (Vgl. dazu: Immer weniger Bankomaten heimischer Institute).

Nicht umsonst haben die Hersteller von Geldautomaten, wie Diebold Nixdorf, mit deutliche sinkenden Umsätzen zu kämpfen.

In Weitere Einbußen für Diebold Nixdorf war erst kürzlich zu lesen:

Die Umsätze mit Geräten wie Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern schrumpften im ersten Quartal um 15,9 Prozent auf 352,5 Millionen Dollar. Konzernweit sanken die Erlöse um 3,5 Prozent auf 1,064 Milliarden Dollar (887 Millionen Euro).

Nicht viel besser läuft das Geschäft mit den GAAs bei der weltweiten Nummer 1, NCR. Im aktuellen Quartalsbericht erfahren wir:

Hardware revenue was down 3%. ATM revenue declined 7% as expected and reflected the lower backlog starting the quarter. SCO revenue declined 24% due to the timing of customer rollouts. POS revenue continued its momentum and increased 19% in the quarter due to store transformation trends.

Update: 

In Kein „Niedergang“ des Geldautomaten! behauptet Dr. Hans-Jörg Leichsenring, die von der Deutschen Kreditwirtschaft und dem BVR veröffentlichten Zahlen seien falsch. Seine eigenen Recherchen, d.h. die Nachfrage bei Banken und Verbänden, hätten eine deutlich höhere Zahl, nämlich 60.500 ergeben.

Da stellen sich einige Fragen (Vgl. dazu: Dimensionen journalistischer Qualität – insbesondere die Punkte “Transparenz” und “Quellenkritik”).

  • Wie wurden die Daten erhoben – Fragebögen, telefonische Auskünfte?
  • Waren die befragten Personen auskunftsfähig und befugt?
  • Können Übermittlungs- und Berechnungsfehler ausgeschlossen werden?
  • Sind die Daten belegt und für Dritte einseh- und nachvollziehbar?
  • Wieviele Banken wurden befragt – tatsächlich alle in Deutschland? (das wäre sehr ambitioniert).
  • Wenn die Zahlen falsch sind – was sagen der DK und der BVR dazu?
  • Was macht den genannten Autor so sicher, dass seine Datengrundlage und Methodik besser sind, als die der Verbände und Banken (DK, BVR u.a.)?
  • Warum sollten wir den Zahlen des Bank-Blogs mehr Glauben schenken, als den Verbänden und den Banken?
  • Wieviele Geldautomaten wurden im Jahr 2017 ersetzt, wieviele sind für 2018 geplant?

Wie plausibel ist generell die Behauptung, die Zahl der GAAs würde steigen bzw. der GAA würde nicht an Bedeutung verlieren, angesichts der Tatsache, dass online-Bezahlverfahren auch in Deutschland auf dem Vormarsch sind und die Hersteller von Geldautomaten mit sinkenden, zumindest stagnierenden Umsätzen zu kämpfen haben? Und nicht zu vergessen: Die stark abnehmende Zahl der Filialen.

Wenn die Zahlen für das letzte Jahr falsch waren – waren dann die Zahlen aus den vergangenen Jahren nicht auch falsch? Könnte es sein, dass die Zahl der Geldautomaten in den letzten Jahren höher war und die vermeintlichen 60.500 Geräte trotzdem eine sinkende Tendenz verkörpern?

Der Arbeitskreis Geldautomaten berichtet davon, dass die angeschlossenen Unternehmen im Jahr 2017 10-15 Prozent mehr Standorte gehabt hätten. Wie repräsentativ ist diese Zahl für die gesamte Branche? Was sagen diese Zahlen aus?

Wenn man wirklich die genaue Zahl an GAAs in Deutschland ermitteln will, dann geht das nur durch physische Inventur, d.h. mindestens zwei Personen müssen alle GAAs am Stichtag 31.12. in Deutschland aufsuchen und dokumentieren und von einer dritten Instanz gegenchecken lassen …

Insofern sind steile Behauptungen, noch dazu bei der gegebenen Datenbasis, mit größter Vorsicht zu genießen – ganz gleich von wem sie kommen.

Weitere Informationen:

Immer weniger Bankomaten heimischer Institute

Diese Idee sorgt für schleichenden Tod der Geldautomaten

Diebold Nixdorf führt mit über 1 Million installierten ATMs

Empirische Sozialforschung Vertiefung, Prof. Dr. Hänggli Zusammenfassung

Dieser Beitrag wurde unter Bank-IT, Banking veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.