Wege zum Process-Centric Banking

Von Ralf Keuper

Seit Jahren wird in zahllosen Veröffentlichungen auf die fehlende Prozessunterstützung in der Banken-IT hingewiesen. Viele Kommentatoren sehen in der Einführung prozessunterstützender Systeme  ein probates Mittel, um einen Kulturwandel in den Banken hin zu mehr Kundenorientierung und Innovation anzustossen.

Dabei sind schon allein die technischen Herausforderungen alles andere als trivial. Häufig sind die Back End-Systeme, und hier vor allem die Kernbankensysteme, noch produktorientiert ausgelegt. Ein Re-Engineering ist daher sehr aufwändig, weshalb in den meisten Fällen die Anschaffung einer Standardlösung oder die Eigenentwicklung ins Auge gefasst wird.

Welchen Weg man auch wählt, es wird ein steiniger und langer sein. Jedoch lohnen die Mühen, wie das Beispiel OSPLus zeigt. Ende der 90er Jahre beschlossen die Sparkassen, ihre IT-Systemlandschaft zu erneuern. Dabei ging man sehr systematisch vor. So wurde zuerst ein neuer Buchungskern (S-Buchen) realisiert, bevor man sich an die Ablösung der spartenorientierten Applikationen machte.

Die Deutsche Bank führt derzeit ihre neue IT-Plattform Magellan ein.  Die neue Lösung basiert u.a. auf den SAP Banking Services.

Infosys nennt drei Gründe, die für prozessorientierte Kernbankenlösungen sprechen:

  1. Customer Centricity
  2. Regulatory Compliance
  3. Risk Management

Die Vorteile bestehen darin, dass Änderungen auf Prozessebene, im Idealfall an nur einer Stelle, vorgenommen werden müssen und nicht mehr auf Codeebene mit unvorhersehbaren Seiteneffekten. Die Prozessorientierung macht mit der logischen und physischen Trennung der Geschäftslogik und der Datenhaltung Ernst.

Der Weg zur Prozessorientierung führt nicht immer über die Kernbankensysteme allein. Neben Herstellern wie Infosys, die die Prozessorientierung in ihre Lösungen einbauen, gibt es am Markt auch klassische Middleware-Lösungen, die mit demselben Anspruch auftreten, wie beispielsweise Oracle mit ihrer Fusion Middleware.

Daneben existieren Ansätze, die über die CRM-Systeme eine stärkere Kunden- und Prozessorientierung realisieren wollen.

Damit die Umstellung der IT-Systeme auf Prozessunterstützung nicht ins Leere greift, sind jedoch die nötigen organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Dies wiederum mittels IT über den Einsatz von BPM, wie bei der Lloyds Banking Group.

Nach meinem Eindruck sind die australischen und neuseeländischen Banken auf diesem Weg bereits gut unterwegs, wie die CommBank.

Die Bank of New Zealand (BNZ) gab bekannt, in den nächsten fünf Jahren ihr bestehendes Kernbankensystem durch eine neue Lösung “NextGen” auszuwechseln. Damit soll das bisherige operative wie auch das Geschäfts-Modell transformiert werden.

Mit der neuen Lösung können, anders als bisher, die verschiedenen Kanäle miteinander kommunizieren.

Jedoch ist man sich bei der BNZ vollauf bewusst, dass der Wechsel der Infrastruktur von einem Wandel in den Prozessen und vor allem auch einer Einstellungsänderung bei den Mitarbeitern und der Führung begleitet werden muss.

So kann es gelingen.

 
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