Die apo­Bank mel­det Rekord­wachs­tum im Kre­dit­ge­schäft: sechs Mil­li­ar­den Euro Neu­aus­lei­hun­gen 2025, zwan­zig Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Gleich­zei­tig schlie­ßen täg­lich Apo­the­ken, mel­den Kran­ken­häu­ser Insol­venz, und der GKV-Haus­halt steu­ert auf struk­tu­rel­le Deckungs­lü­cken im zwei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­reich zu. Wie passt das zusam­men? Die Ant­wort ist unbe­que­mer, als sie auf den ers­ten Blick erscheint: Das Wachs­tum der apo­Bank ist kein Zei­chen der Stär­ke des deut­schen Gesundheitsmarkts—es ist zum Teil ein Zei­chen sei­ner Umstruk­tu­rie­rung unter Druck. Und Wachs­tum auf einem schrump­fen­den Markt ist eine Kate­go­rie für sich.


Zah­len kön­nen täu­schen, wenn man sie iso­liert betrach­tet. Das Kre­dit­neu­ge­schäft der apo­Bank ist 2025 um zwan­zig Pro­zent auf sechs Mil­li­ar­den Euro gestie­gen. Drei­tau­send Pra­xen und drei­hun­dert Apo­the­ken wur­den neu finan­ziert, der Bestand an Exis­tenz­grün­dungs­kre­di­ten nähert sich neun Mil­li­ar­den Euro. Mat­thi­as Schel­len­berg, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bank, spricht von einem „bären­star­ken Dar­le­hens­neu­ge­schäft”. Das stimmt. Aber es stimmt in einem Kon­text, den der Vor­stand natur­ge­mäß nicht in den Vor­der­grund stellt.

Im sel­ben Jahr, in dem die apo­Bank sechs Mil­li­ar­den Euro neu aus­lieh, schlos­sen in Deutsch­land 502 Apotheken—bei ledig­lich 62 Neu­eröff­nun­gen. Die Apo­the­ken­zahl fiel damit auf den nied­rigs­ten Stand seit fast fünf­zig Jah­ren. Im Kran­ken­haus­sek­tor schrie­ben mehr als drei von vier Häu­sern rote Zah­len, und die Insol­venz­ver­fah­ren der Jah­re 2022 bis 2024 sum­mier­ten sich auf 88 Fälle—ein his­to­ri­scher Anstieg gegen­über den Jah­ren, in denen eine Kran­ken­haus­in­sol­venz noch eine sel­te­ne Aus­nah­me war. Und die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung, das Finanz­rück­grat des gesam­ten Sys­tems, erwar­tet ab 2027 jedes Jahr Deckungs­lü­cken im zwei­stel­li­gen Milliardenbereich.

Das Wachs­tum der apo­Bank und die Ero­si­on ihres Mark­tes exis­tie­ren nicht neben­ein­an­der. Sie sind mit­ein­an­der verbunden—durch eine Logik, die man ver­ste­hen muss, wenn man das Kre­dit­buch der Bank ehr­lich lesen will.

Drei Seg­men­te, drei ver­schie­de­ne Geschichten

Das Heil­be­rufs­ge­schäft der apo­Bank ist kein homo­ge­ner Markt. Es zer­fällt in min­des­tens drei struk­tu­rell unter­schied­li­che Seg­men­te, die im Jahr 2025 sehr ver­schie­de­ne Dyna­mi­ken zeigen.

Das sta­bils­te Seg­ment ist das Pra­xis­ge­schäft. Nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te, Zahn­ärz­te, The­ra­peu­ten: Hier ist die Nach­fra­ge demo­gra­fisch getrie­ben und kurz­fris­tig sta­bil. Älte­re Pra­xis­in­ha­ber gehen in Rente—Nachfolger brau­chen Finan­zie­run­gen. Das ist kein kon­junk­tu­rel­les Phä­no­men, son­dern ein Gene­ra­ti­ons­wech­sel, der unab­hän­gig vom Ifo-Index statt­fin­det. Die­ses Seg­ment ist der eigent­li­che Wachs­tums­mo­tor der apo­Bank, und hier ist das Wachs­tum struk­tu­rell am soli­des­ten unterlegt.

Das zwei­te Seg­ment, das Apo­the­ken­ge­schäft, sieht anders aus. Die apo­Bank hat 2025 rund drei­hun­dert Apo­the­ken finanziert—nach eige­ner Aus­sa­ge „in etwa dem Niveau der ver­gan­ge­nen Jah­re”. Das klingt nach Sta­bi­li­tät. Es ist aber, auf einem Markt der seit Jah­ren um jähr­lich zwei bis drei Pro­zent schrumpft, in Wahr­heit rela­ti­ver Markt­an­teils­ge­winn auf sin­ken­der Basis. Drei­hun­dert Finanzierunge…