Verdrängt Apple Pay die Banken aus dem Blickfeld der Kunden?

Von Ralf Keuper
Langsam scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass Apple Pay mehr als nur ein weiteres iPhone-Feature ist. Apple Pay ist auch nicht “nur” eine mobile Bezahllösung. Das ist es nur auf den ersten Blick. Vielmehr handelt es sich dabei um das vorläufig letzte (fehlende) Glied in Apples digitaler und medialer Wertschöpfungskette, deren zentraler Bestandteil iTunes ist bzw. war. 
In den letzten Monaten hat Apple systematisch sein Angebot im Medienbereich erweitert. Angefangen mit dem Kauf des Musik – Streaming-Dienstes Beats Music, über den Erwerb der auf die Produktion digitaler Magazine spezialisierten Plattform Prss bis hin zu dem im Hintergrund ablaufenden Aufbau eines eigenen Content Delivery Networks
Alles in allem baut Apple, ähnlich wie derzeit Alibaba/Alipay und Tencent/Baidu, an einer Plattform, die den Kunden ein umfassendes Angebot aus den verschiedendsten Bereichen liefert. Von klassischem E-Commerce, Streaming-Diensten bis hin zu Entertainment, Infotainment – und die Zahlungsabwicklung. In der Aufmerksamkeitökonomie beste Voraussetzungen, um die Kunden auf die eigene Plattform zu lenken und dort zu binden. Was auf der Plattform nicht erscheint, existiert nicht. Wer es mit seinem Angebot nicht schafft, die Aufmerksamkeit zu fesseln, wird über kurz oder lang aus der Plattform verschwinden und nicht mehr wahrgenommen. Die Marke besteht quasi nicht mehr. 

Nicht ohne Grund warnt daher Frank Liddy in American Banker die Händler und Banken davor, als Marken im großen Apple-Ökosystem nicht mehr erkannt zu werden. Schon hat, so zumindest der Eindruck von Ben Popper, der Wettlauf der Banken um einen Platz an der Sonne, d.h. um eine bevorzugte Stelle bei Apple Pay begonnen. Die Karte bzw. die App, die nicht als eine der ersten beim Aufruf von Apple Pay angezeigt wird, gerät, so Popper, auf Dauer aus dem Blickfeld des Kunden. Die Aufmerksamkeitsspanne der Kunden ist begrenzt. 
Wenn man davon ausgeht, dass die Kunden sich bei ihrem Informationsverhalten und ihrem Medienkonsum weitgehend konsistent verhalten, dann wird die Zahl der Alternativen für Banken geringer, um sich am Bildschirm oder auf dem Screenplay festzusetzen. 
Zumal dann, wenn die Kontrolle über die Distributionskanäle und die Informationsströme in den Händen anderer liegt. 
Dieser Beitrag wurde unter Banking abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.