Social Commerce erreicht das Banking

Von Ralf Keuper
Lange galt es als sicher, dass der stationäre Handel nur bedingt von dem veränderten Kaufverhalten der Kunden, die ihre Waren immer häufiger im Internet bestellen, betroffen ist. Der Gang in den Supermarkt, das Verweilen vor der Kasse als eine Übung in Geduld und Demut, war bzw. ist für den Kunden unausweichlich. Früher oder später müssen sie zu uns kommen – so die Überzeugung im Handel. 
Wenn selbst der größte Einzelhändler der Welt, Wal Mart, den Druck von Amazon, Alibaba, JD.Com und anderen zu spüren bekommt, dann deutet sich eine Zeitenwende an. Das Phänomen hat einen Namen: Social Commerce, d.h. die Möglichkeit, Waren des täglichen Bedarfs im Internet, vorzugsweise in den sozialen Netzwerken, zu bestellen, zu bezahlen und die Lieferung ins Haus anzustoßen.
Neben Amazon und Google dehnen die sozialen Netzwerke ihren Radius in Richtung E-Commerce aus, wie es u.a. in Social Commerce – das neue Paradigma im Online-Handel? heisst:
Der Einfluss, den die sozialen Netzwerke, allen voran facebook, auf den Online-Handel ausüben, ist schon jetzt immens. Mit inzwischen einer Milliarde Nutzer pro Tag ist facebook eine feste Größe in vielen Bereichen: Im Nachrichtengeschäft, im Entertainment und im Handel. Sogar Google bekommt die Reichweite von facebook zu spüren: Erstmals versorgt facebook die US-Medien mit mehr Internet-Zugriffen als Google. Bei der Produktsuche liegt Amazon vor Google.

Mittlerweile laufen zwei Drittel im mobilen E-Commerce-Geschäft über facebook. Ebenfalls von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind Pinterest und twitter. Die großen Player, facebook, twitter, Google und Pinterest, testen bereits den Einsatz von Buy-Buttons.

Und nicht nur das: Auch in das Geschäft der Warenlieferung dringen die Internetkonzerne verstärkt vor, wie einige Beiträge der letzten Tage/Wochen zeigen:
Der Kaufvorgang, die Zahlungsabwicklung und Lieferung könnten damit aus einer Hand erfolgen. Was das für die Kontrolle über die dabei entstehenden Daten- und Informationsströme bedeutet, bedarf keiner tieferen Analyse. Die meisten neuen Handelswege im Netz verlaufen an den Banken vorbei bzw. berühren sie nur an bestimmten, nachgelagerten Stellen. Sie verlieren den Zugang zum Markt und können ihre Rolle als “Beobachter der Wirtschaft” nicht mehr in der gewohnten Weise ausfüllen. Diese Funktion übernehmen künftig andere bzw. sie haben sie quasi schon übernommen. Eine Wachablösung. Nicht nur, dass die Internetkonzerne die Kundenschnittstelle im Netz dominieren; sie haben durch ihre Lieferservices, im wahrsten Sinne des Wortes, den Fuss in der Tür. 
Die Banken müssen an anderen Punkten ansetzen, wenn sie in Zukunft überhaupt noch eine relevante Rolle spielen wollen wie z.B. an der Digitalen Identität. Ein Thema, das von den Banken sträflich vernachlässigt wird. 
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