Revolut hat rund 2.000 Entwickler von Claude Code und Codex auf ein selbst gehostetes chinesisches Open-Weight-Modell umgestellt, bei etwa einem Zehntel der bisherigen Kosten. Die Meldung wird gern als Duell gelesen: Open Weight gegen Claude. Näher an der Sache liegt eine andere Lesart: Nicht die Modellqualität hat den Ausschlag gegeben, sondern der Wegfall der Rationierung. Claude bleibt für die schwierigen Fälle im Haus, der Standard aber ist ein Modell, dessen Gewichte Revolut selbst betreibt. Für Banken, die nicht Revolut sind, lautet die Frage deshalb nicht länger, welches Modell das beste ist, sondern: Wer betreibt es, und wer trägt die Auslastung?
Auf der Konferenz AI Engineer in New York hat David Abitbol, bei Revolut zuständig für KI-Betrieb und Infrastruktur, Zahlen vorgelegt, die in der Branche schnell die Runde machten. Revolut hat danach seine rund 2.000 Softwareentwickler von Claude Code und Codex auf GLM umgestellt, ein Open-Weight-Modell des chinesischen Labors Z.ai. Betrieben wird es auf eigenen Nvidia-B200-Chips, etwa 56 an der Zahl, bei Kosten von rund 30 Cent pro Million Token. Die Rechnung für KI-Unterstützung beim Programmieren soll auf ungefähr ein Zehntel gesunken sein. Claude Code und Codex bleiben als Ausnahme für die schwierigsten Aufgaben verfügbar.
Schlagzeilen machen daraus ein Duell der Modelle. Abitbol selbst erzählt es offenbar anders. Seine Erklärung lautet nicht, dass GLM besseren Code schreibe, sondern dass die Entwickler aufgehört haben zu sparen.
Die Rationierung
Revolut ist den Weg in Etappen gegangen: erst Gemini für alle, dann Claude Code, allerdings mit strengen Budgets je Entwickler. Der Grund: Einzelne Entwickler verbrauchten nach Abitbols Schilderung 1.000 bis 10.000 Dollar im Monat, ohne dass sich ein klarer Nutzen zeigte. Wer ein Budget hat, geht damit sparsam um und hebt sich die KI für die schweren Tickets auf. Wo der Zähler nicht mehr läuft, setzen Entwickler sie überall ein, auch bei Dokumentensuche und Ticketbearbeitung. Revolut berichtet für eine Stichprobe von rund 2.000 Entwicklern eine um 60 Prozent kürzere Codierzeit und eine um 70 Prozent kürzere Durchlaufzeit von der Aufnahme einer Aufgabe bis zum Merge.
Wie viel davon dem Modell zuzurechnen ist und wie viel dem Wegfall der Limits, lässt sich aus den Berichten nicht trennen. Plausibel ist, dass der zweite Faktor erheblich mitwirkt. Das ist die eigentliche Pointe: Ein Preismodell, das Nutzung pro Token bestraft, erzeugt ein Verhalten, das den Nutzen der Technik begrenzt. Eine Pauschale in Form eigener Hardware beseitigt diese Bremse, auch wenn sie andere Kosten mitbringt.
Drei Schichten, drei Logiken
Wer „Revolut setzt auf Open Source“ liest, verwechselt die Schichten. Revolut betreibt KI nach mindestens drei verschiedenen Logiken.
Die erste ist PRAGMA, ein Modell, das Revolut gemeinsam mit Nvidia entwickelt und im April veröffentlicht hat. Es wurde auf Verhaltensdaten von rund 25 Millionen Kunden aus 111 Ländern trainiert, auf einer Datenbasis von Dutzenden Milliarden Ereignissen (die Angaben schwanken zwischen etwa 24 und 40 Milliarden). PRAGMA beantwortet keine Fragen und schreibt keine Mails. Es liest Ereignisfolgen aus Zahlungen, App-Nutzung und Handel und dient unter anderem der Betrugserkennung und der Kreditrisikobewertung; bei der Betrugserkennung meldet Revolut eine um 64,7 Prozent höhere Trefferquote gegenüber dem bisherigen Produktivmodell. Hier ist der Gegenstand der Rohstoff, den nur Revolut hat: die eigenen Kundendaten. Ein Zukauf wäre schon deshalb keine Option.
Die zweite Schicht ist die Werkzeugschicht, und hier sitzt GLM. Ein Coding-Assistent ist für eine…
