New Banking trifft Schumpeter

Von Ralf Keuper
Für Joseph Schumpeter, Erfinder der „Kreativen Zerstörung„, sorgt der echte Unternehmer für die Durchsetzung neuer Kombinationen von Produktionsfaktoren. Ihm gleichberechtigt zur Seite stellte Schumpeter den Bankier: 

Neben dem Entrepreneur erhält bei Schumpeter ein weiterer wirtschaftlicher Akteur eine zentrale Stellung: der Bankier. Innovationen werden als neue Kombinationen bestehender Ressourcen beschrieben. Diese Ressourcen aber sind in der Ausgangssituation bereits einer anderen Verwendung zugeführt. Um neue Kombinationen von Ressourcen zu ermöglichen, bedarf es folglich eines Moderators. Dessen Funktion übernimmt der Bankier, indem er an Entrepreneure die Kredite vergibt, die diese erst mit der Kaufkraft ausstatten, welche benötigt wird, um neue Kombinationen überhaupt durchführen zu können (in: Evolutionary Theory of Economics – Theorie der Wirtschaftlichen Entwicklung). 

Bankiers, auf die dieses Profil zutritt, waren schon in der Vergangenheit rar gesät. Beispiele sind David Hansemann, J.P. Morgan, Carl Fürstenberg und Georg von Siemens. 
Führende Investmentbanker weisen gerne auf ihre Rolle als Finanzierer aufstrebender Technologiekonzerne hin. Dazu hält John Cassidy in What good is Wall Street? fest: 

Yet Wall Street’s role in financing new businesses is a small portion of what it does. The market for initial public offerings (I.P.O.s) of stock by U.S. companies never fully recovered from the tech bust. During the third quarter of 2010, just thirty-three U.S. companies went public, and they raised a paltry five billion dollars. Most people on Wall Street aren’t finding the next Apple or promoting a green rival to Exxon.

Für die Durchsetzung neuer Kombinationen von Produktionsfaktoren stehen in der Plattformökonomie die großen digitalen Ökosysteme wie Apple, Google, Amazon, Samsung und Alibaba. Zwar kommen auch sie nicht ganz ohne Unterstützung der Banken aus, jedoch treten sie selber als Finanzdienstleister auf.  
Dem Ideal des Schumpeterschen Bankiers noch am nächsten kommen einige Fintech-Startups, die versuchen, neue Kombinationen durchzusetzen, wie im (Open) API-Banking. Die Banken betreiben dagegen überwiegend Bilanzmanagement. Durch Kooperationen mit oder Übernahmen von Fintech-Startups hoffen sie, ihre Rolle als Finanzierer und Intermediäre bewahren zu können und nicht Opfer der Kreativen Zerstörung zu werden. 
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