L. Albert Hahn: Bankier und Ökonom

Von Ralf Keuper

Bankiers, die auch als Ökonomen Gehör fanden, waren bereits in der Vergangenheit selten. Einer von ihnen war L. Albert Hahn. Der Sprößling einer alten Frankfurter Bankiersfamilie und langjährige Vorstand der Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft sorgte unter Ökonomen im Jahr 1920 mit seinem Früh- und eigentlich auch Hauptwerk Economic Theory of Bank Credit für einiges Aufsehen.

With his Economic Theory of Bank Credit, which remained the most important monograph among his many writings, Hahn wanted to overcome the orthodox view that every credit has to be financed by means of savings deposited by the banks. Whereas he regarded the classical doctrine as adequate for the state of development of the economy at the time of the classical economists (of whom he gave highest praise to Ricardo), he found it most inappropriate for a modern economy with an elastic money and credit supply. The central regression line of Hahn‟s thought is the doctrine that “capital formation is not the result of saving but of the granting of credit”. Despite many later modifications and some fundamental changes of his economic views, which for some modern historians of economic thought mutated a “precursor of Keynesianism” into one of “the monetarist counterrevolution”, Hahn stuck to this view until the end of his life. (in: L. Albert Hahn’s Economic Theory of Bank Credit).

Ein Ökonomen-Kollege fasste die zentrale Aussage der Hahn’schen Geldtheorie, mit ironischem Unterton, in die Worte:

Am Anfang war die Schuld.

Dieser Linie blieb Hahn zeitlebens treu. Noch im Jahr 1962 sagte er anlässlich der Verleihung des Ehrendoktors der Universität Marburg:

All expansion of credit causes an expansion of goods due a change in their distribution. Credit takes the goods out of nothing, where they would have remained without credit extension.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm Hahn auch zu währungspolitischen Fragen Stellung, wie im Jahr 1957 in dem Beitrag Die Kaufkraft stabil halten!.

Darin plädierte er für eine währungspolitische Relativitätstheorie:

Die dauernden Ermahnungen der anderen, Deutschland möge aufwerten, und der Deutschen, die anderen sollten gefälligst abwerten, erscheint mir reichlich platonisch. Denn es gilt eine Art von währungspolitischer Relativitätstheorie. Es kommt nämlich nur auf die Währungsrelationen an, und es ist gleichgültig, ob die Vergrößerung des Abstandes durch Heraufsetzung der einen oder Heruntersetzung der andern hergestellt wird.

Im Jahr 2009 gab der Frankfurter Bankier Michael Hauck das Buch Albert Hahn: Ein verstoßener Sohn Frankfurts, Bankier und Wissenschaftler. Eine Dokumentation heraus, das in der FAZ in dem Beitrag Ökonom. Bankier. Frankfurter besprochen wurde. 

Trotz einiger Unterschiede befand sich Hahn mit seiner Geldtheorie in etwa auf einer Linie mit Wicksell und Schumpeter:

Hahn is in a line with Wicksell and Schumpeter in emphasizing the importance of credit for a modern economy. Banks are producers of credit which is not limited by the amount of saving. Interest is not the price which equalizes savings with the demand for credit but the price for a higher liquidity. Demand for credit creates its own supply. Capital was seen by Hahn as the result of credit creation and not of saving.

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