Kann Bitcoin die Deutsche Bank aus ihrer Misere befreien?

Von Ralf Keuper
Der Glaube an die Heilkraft von Bitcoin und/oder der Blockchain ist ungebrochen. So kann es nicht mehr überraschen, dass in der Diskussion die alchemistischen Züge immer deutlicher hervor treten. Auch die Deutsche Bank, die seit einiger Zeit mit Problemen zu kämpfen hat, die in der Summe existenzbedrohende Ausmaße angenommen haben, soll dank Bitcoin wieder zu alter Stärke zurückfinden. Beispielhaft dafür ist Deutsche Bank: Hilfe von Bitcoin und FinTech-Unternehmen
Ganz unabhängig davon, ob Bitcoin, die Blockchain oder ganz allgemein Fintech der Deutschen Bank wieder neues Leben einhauchen können, muss eine grundsätzliche Frage geklärt werden, nämlich die, ob eine Technologie einem Unternehmen, dessen Geschäfts- und Organisationsmodell den Zenit überschritten hat, helfen kann. 
Auch die beste Technologie vermag es nicht, Defizite in der Geschäfts- und Risikopolitik, der Unternehmensstrategie und im Organizational Design zu beheben. Das ist bestenfalls Wunschdenken und zeugt von dem naiven Glauben, dass es letztlich ausreiche, über die Organisation eine neue Technologie zu stülpen und schon lösen sich alle strukturellen Probleme von selbst. 
Das erinnert an die Diskussion um das Business Process Reengineering vor einigen Jahren. Zu der Zeit glaubte man, dass Unternehmen allein durch Maßnahmen der Prozessoptimierung agiler, innovativer und wettbewerbsfähiger würden. Dysfunktionen in der Organisation sollten dadurch ausgemerzt werden. Die Erwartungen haben sich nur in den seltensten Fällen erfüllt. Das eherne Gesetz behielt weiterhin Gültigkeit, welches Ted Levitt schon Jahre zuvor formuliert hatte:

No amount of low-cost production or high yield selling is good enough in the service of what is not itself good enough. Nothing is more wasteful than doing with great efficiency that which should not be done at all. The constant in business that must be done is innovation everywhere in the organization, at all its levels, and regarding all its tasks. That is the only way the constantly expanding requirements of markets ca be served. If its not done, no company can long survive, not matter how low-cost its production (in: Thinking about Management) 

Die Probleme, nicht nur der Deutschen Bank, liegen auf einer anderen Ebene als der technologischen, so verführerisch der Gedanke auch sein mag. Solange diese Defizite nicht gelöst oder überhaupt erst mal erkannt sind, werden auch Bitcoin, Blockchain und Fintech ihre Kräfte nicht entfalten können, so sie denn existieren. Ob allerdings eine volatile Währung wie Bitcoin das Banking in geordnetere Bahnen lenken kann, darf zumindest bezweifelt werden. 
Auf dem Weg zurück zu alter Größe, sofern er für die Deutsche Bank überhaupt noch möglich ist, woran ich persönlich erhebliche Zweifel habe, sollte das Haus sich über seine künftige Strategie im Klaren sein, und zwar in der Weise, wie Tom Peters und Robert Waterman es einmal in Structure is not Organization formuliert haben: 

By “strategy” we mean those actions that a company plans in response to or anticipation of changes in its external environment- its customers, its competitors. Strategy is the way a company aims to improve its position vis-a-vis competition-perhaps through low- cost production or delivery, perhaps by providing better value to the customer, perhaps by achieving sales and service dominance. It is, or ought to be, an organization’s way of saying: “Here is how we will create unique value”.

Technologie ist hierbei das Stilmittel, aber nicht der Zweck.  
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