Jacques Coeur – Argentier des Königs

Von Ralf Keuper

Der französische Kaufmann Jacques Coeur zählt zweifellos zu den schillerndsten und interessantesten Persönlichkeiten des Mittelalters, wovon man sich in dem Buch Der königliche Kaufmann Jacques Coeur oder der Geist des Unternehmertums von Michel Mollat überzeugen kann.

Der Argentier des Königs hatte die Funktion eines Schatzmeisters. Seine Hauptaufgabe war es, den königlichen Hof mit den nötigen finanziellen Mitteln und (Luxus-) Gütern zu versorgen. In gewisser Weise war der Argentier Hoflieferant und Hofbankier in einer Person.

Um seine Aufgaben erfüllen zu können, erhielt der Argentier Zahlungsanweisungen auf die Einnahmen der Staatskasse.

Schon nach kurzer Zeit standen der Hof- und Hochadel beim Argentier in der Kreide. Mollat berichtet davon, dass 70% seiner Forderungen gegenüber den Vertretern der höfischen Gesellschaft bestanden. Das war die Achillesverse des Amtes, da die Forderungen gegenüber den Spitzen des Hofes nur schwer eingetrieben werden konnten. Zu heikel waren die Verstrickungen und Intrigen am Hofe, als dass es sich der Argentier erlauben konnte, einen der Günstlinge am Hofe zur Zahlung zu zwingen.

Dennoch hatte das Amt für einen Kaufmann mit Ambitionen einige, entscheidende Vorzüge:

Die Argenterie, Grundlage seiner weitgespannten Handelsgeschäfte, gab im die Möglichkeiten in alle Richtungen, öffnete ihm viele Türen bei Adel, war eine Schlüsselposition; er wusste den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. … Jacques Coeur versuchte nicht nur, die für die Versorgung der Argenterie notwendigen Handelskreisläufe zu beherrschen, sondern auch die Herstellung bestimmter Erzeugnisse unter seine Kontrolle zu bringen. Man wir von niemanden besser bedient als von sich selbst. Dieses ökonomische Gebot erfasste Jacques Coeur wie seine italienischen Vorbilder. Effizienz der Methoden, Qualität der Waren und günstige Kosten waren für ihn die Bedingungen des Erfolgs.

Trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten, konnte Coeur nicht verhindern, dass sein Stern zu sinken begann, als sich die Umstände veränderten.

Mit neidvollen Blicken beobachteten die Günstlinge des Königs den rasanten Aufstieg von Jacques Coeur. Sein Reichtum wie auch seine Machtposition machten ihn zunehmend angreifbar. Schon kleine Taktlosigkeiten reichten aus, um am Hofe bevorzugtes Ziel der Intrigen zu werden:

Mit dem Zurschaustellen, wie eng seine Bande mit dem König waren, riskierte er, dass fortan seine Präsenz als lästig und störend empfunden wurde. Es ist gefährlich, die Eigenliebe der Macht zu verletzen, die per Definition und aus Notwendigkeit eifersüchtig auf ihre Prärogerative und ihr Prestige bedacht ist.

Ein weiterer, profanerer Grund für die wachsende Mißgunst, die Coeur am Hofe entgegen schlug, war gewiss auch, dass man sich seines Gläubigers und damit seiner Schulden entledigen wollte.
Dem steilen Aufstieg folgte der tiefe Fall.

Dieses Schicksal teilte Coeur mit seinen italienischen Kollegen. Nicht wenige waren für einige Zeit bei Königen und Fürsten als Financier wohl gelitten; sobald sie aber zu unabhängig wurden und ihre Stellung zu demonstrativ zur Schau stellten, machte man ihnen auf die eine oder andere Art deutlich, dass ihre Macht einzig und allein von der Gnade und den Launen des Herrschers abhängig war. Einer der wenigen, der dieser Gefahr bewusst aus dem Weg ging, war Francesco Datini.

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