Fintech-Startups – die Revolution blieb bislang aus

Von Ralf Keuper

Auch nach mehreren Jahren ist bei genauerer Betrachtung nicht ganz klar, worin der Beitrag der Fintech-Startups für die Gesellschaft, jenseits der perfekten Customer Experience, eigentlich bestehen soll (Vgl. dazu: Fintech als Treiber des technologischen und gesellschaftlichen Wandels – eine eher ernüchternde Zwischenbilanz). Was echte technologische Innovationen betrifft, fällt die Bilanz bescheiden aus; als Arbeitgeber sind Fintech-Startups auch nicht das, was sie eigentlich sein wollten, und selbst die Kunden, deren Interessen ansonsten absolute Priorität haben, sind, wenn Probleme auftreten, mehr oder weniger auf sich gestellt.

An dem System, das sie eigentlich verbessern wollten, hat sich wenig bis gar nichts durch ihr Erscheinen geändert; eher im Gegenteil, wenn man dem Autor von The Future of Banking Is … You’re Broke folgt. Denn, ganz abgesehen davon, wie nutzerfreundlich die diversen Applikationen und Werkzeuge sind, die Fintech-Startups anbieten, so geht das verfügbare Einkommen bei vielen Kunden, jedenfalls in den USA, zurück. Die Verschuldung, wie im Bereich Kreditkarten, Autokrediten und Studentendarlehen hat Ausmaße erreicht, die ungute Erinnerungen an die Zeit vor Ausbruch der letzten Finanzkrise wecken:

No neo-bank can erase the student loan debt or the 40-year stagnation in wages or the unexpected medical expenses or the crippling reality of America’s existential brokeness. The neo-banks have promised that they’ll ease your pain, but that’s just morphine for the real condition. When it comes to the actual sickness, you’re still on your own.

Kurzum: Fintech-Startups tragen mit dazu bei, dass sich alles weiter im Kreis, in den alten Bahnen (nach unten) bewegt, statt Vorreiter einer Revolution zu sein.

Eine der Ursachen der letzten Finanzkrise war nach allgemeiner Auffassung die Deregulierung in den Jahren/Jahrzehnten zuvor. Fintech-Startus stehen u.a. für Disintermediation und Finanzialisierung (Vgl. dazu: The Innovation Mechanisms of Fintech Start-Ups: Insights from Swift’s Innotribe Competition), wirken demnach auch de-regulierend – insbesondere mit Blick auf PSD2 und Open Banking. Die eigentlichen, mittel-bis langfristigen Profiteure dieser Entwicklung sind in erster Linie die großen Technologiekonzerne, welche auf ihren Plattformen die losen Teile integrieren. Überdies haben sie mit PSD2 prinzipiell den Zugang zu Kundendaten, die ihnen bislang noch fehlten.

Update.

Nachdem ich auf twitter zu Recht darauf hingewiesen wurde, dass Fintech weitaus mehr umfasst als Challenger oder Neo-Banken, habe ich den Titel etwas angepasst (“bislang”). Es stimmt – mit Blick auf Ripple & Co. ist momentan einiges unterwegs, das zu einem Wandel führen kann.

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