Digitale Dörfer – Eine Chance für das Banking

Von Ralf Keuper

Obwohl gelegentlich ein anderer Eindruck entsteht, leben die meisten Menschen in Deutschland im ländlichen Raum, in überschaubaren Städten und Dörfern und nicht in pulsierenden Metropolen oder urbanen Räumen. Nachdem das Dorf oder die Provinz lange Zeit als Auslaufmodelle gehandelt wurden, entdeckt man neuerdings den Charme des Landlebens, wie in

In der Peripherie sollen Innovationen besonders gut gedeihen (Vgl. dazu: Innovation in der Peripherie). Im vergangenen Jahr widmete die Zeitschrift für Ideengeschichte dem Dorf gar einen Themenschwerpunkt.

Der Verlag begründete die Themenwahl mit den Worten:

Die urbane Faszination ist ein intellektueller Fetisch. Die Sommerausgabe der ZIG macht die Gegenrechnung auf und widmet sich dem “Dorf”. Sie zeigt, dass entgegen der Blickverengung auf die Großstadt das Dorf eine Brutstätte von Ideen ist.

Kurzum: Das Dorf hat auch in der Digitalmoderne gute Überlebenschancen. Eine gute Nachricht auch für das Banking.

In Rheinland Pfalz hat man das Potenzial des Dorfes schon längst erkannt. Dort wurde von der Landesregierung das Projekt Digitale Dörfer ins Leben gerufen, das vom Fraunhofer IESE in Kaiserslautern begleitet wird.

Einen guten Überblick gibt der Projektbericht.

Die Digitale Gemeinschaft wird durch digitale Ebenen repräsentiert:

Der DigiTaler erinnert dabei ein wenig an eine Kombination aus Digitaler Währung und Regionalgeld. Vorbild könnte die WIR Bank in der Schweiz sein, die bereits seit Jahrzehnten ein eigenes Währungssystem verwendet (Vgl. dazu: New Banking: WIR Bank).

Hervorzuheben ist auch die Vision Plattform Digitales Land:

Obgleich die Kategorie Banking hier nicht aufgeführt ist, kann sie ohne weiteres integriert werden.

Ziel ist der Aufbau eigener digitaler Ökosysteme – Smart Ecosystems.

Eigentlich sollte man annehmen, dass Regionalbanken diesen Trend mit gestalten würden. Einzig die Genossenschaftsbanken bewegen sich mit dem Modell der Digitalen Regionalbank (Vgl. dazu: Zu Besuch auf der IT-und Bankfachmesse der Fiducia/GAD in Münster) zumindest in diese Richtung. Es reicht  jedoch nicht aus, eine Regionalbank einfach zu digitalisieren. Ohne Vernetzung mit den regionalen digitalen Ökosystemen bleibt es bei Insellösungen bzw. proprietären Lösungen. Dazu muss die Bank bereit sein, sich integrieren zu lassen und sich an die Regeln des Ökosystems anzupassen. Das erfordert ein anderes Organisationsmodell und Selbstverständnis. Stand heute ist das nur schwer vorstellbar.

Insofern ist es durchaus möglich, dass auch hier die Internetkonzerne oder neu entstehende (Genossenschafts-)Banken, Fintech-Startups oder Verbünde die Führung übernehmen.

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