Der KI-Ausbau wird zunehmend auf Kredit gebaut, und ein wachsender Teil der Schulden steht gar nicht in den Bilanzen der Konzerne, die ihn auslösen. Ein heute veröffentlichtes BIS-Bulletin kartiert, wie Zweckgesellschaften, Mietverträge und Garantien aus Hyperscaler-Verpflichtungen Anleihen mit hoher Bonität machen. Für Banken ist die Frage heikel: Sie finanzieren die Gesellschaften und beleihen zugleich die Fonds, die deren Anleihen halten. Wie groß dieses Doppelengagement ist, sagt das Papier nicht, und genau das macht es zum Ausgangspunkt dieses Beitrags.
Der Beitrag
Wer wissen will, wo in einem Kreditboom das Risiko liegt, schaut gewöhnlich in die Bilanzen. Bei der Finanzierung der KI-Infrastruktur lohnt das nur begrenzt. Das am 27. Oktober 2026 erschienene BIS Bulletin Nr. 140 von Mathias Drehmann und Egemen Eren, Building AI on credit: structures and spillovers, beschreibt einen Ausbau, der zu einem wachsenden Teil über Anleihen und über Konstruktionen außerhalb der Bilanz läuft.
Der Umfang
Die Investitionen der fünf größten US-Hyperscaler sollen bis Ende 2026 über 800 Milliarden US-Dollar erreichen, rund 2,5 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Allein ihre Anleiheemission lag bis September bei 222 Milliarden Dollar, überwiegend mit langen Laufzeiten. Dazu kommen nach Marktangaben 75 bis 100 Milliarden Dollar an Anleihen und forderungsbesicherten Wertpapieren, die an Zweckgesellschaften hängen. Die Ratingagentur Moody’s beziffert die Leasingverpflichtungen der größten Hyperscaler für Rechenzentren auf 1,2 Billionen Dollar, von denen rund 820 Milliarden Dollar auf Verträge entfallen, die noch gar nicht begonnen haben.
Diese Verpflichtungen übersteigen bereits die ausgewiesene Verschuldung. Das ist der Kern des Befunds. Die Risiken liegen bei wenigen großen Konzernen, ohne in deren Bilanzen im vollen Umfang aufzutauchen.
Wie aus Mietverträgen Bonität wird
Der Mechanismus ist einfach. Eine Zweckgesellschaft besitzt ein Rechenzentrum und lebt von den Mietverträgen, die sie abgeschlossen hat. Ihre Schulden platziert sie als Anleihe oder forderungsbesichertes Wertpapier, oft privat bei institutionellen Anlegern. Mieter ist ein Hyperscaler mit Investment-Grade-Rating, der teils eine Minderheitsbeteiligung hält oder den Restwert der Anlagen garantiert. Der Chiphersteller verkauft die Hardware, hält mitunter Anteile am Betreiber, kauft Rechenkapazität zurück und stützt in Einzelfällen Mietverpflichtungen.
Das Beispiel, das die Autoren anführen, ist das Hyperion-Rechenzentrum, ein Gemeinschaftsprojekt von Meta und Fonds von Blue Owl. Es wurde zum Teil mit 27,3 Milliarden Dollar an privat platzierten, mit A+ bewerteten, besicherten Anleihen finanziert. Metas Mietverpflichtungen beginnen 2029, laufen zunächst vier Jahre und lassen sich bis auf insgesamt 20 Jahre verlängern. Meta konsolidiert die Gesellschaft nicht.
Für Meta hat das einen…
