Der Ansatz der Bank of America beim Einsatz Künstlicher Intelligenz: “Produktive Paranoia”

Von Ralf Keuper

Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz verfolgt die Bank of America einen Ansatz, der sich als “Produktive Paranoia” beschreiben lässt. In einem Interview mit Information Management erläutern Sumeet Chabria, Global business services executive bei Bank of America, und Cathy Bessant, COO der Bank of America, ihr Modell.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz komme nur dort in Frage, wo ein echter Nutzen für den Kunden entsteht oder das Problem bzw. die Frage am effizientesten mit KI gelöst werden könne. KI sei kein Selbstzweck. Bei der Bank of America habe man den Menschen nicht aus dem Entwicklungs- und Entscheidungsprozess entfernt. Von der Konzeption bis zum Testen seien die Fachabteilungen (Business Experts) eingebunden. Banken stünden in einer besonderen Verantwortung bei der Verwendung Künstlicher Intelligenz. Die Menschen würden ihr Geld und ihre personenbezogenen Daten im Vertrauen darauf, dass die Banken damit verantwortungsvoll umgehen, übergeben. Bei der Entwicklung von KI-Systemen setze man auf Diversität, um zu verhindern, dass die Sichtweisen bestimmter Gruppen dominieren. Wenn die Frage nach möglichen Risiken und Nebeneffekten beim Einsatz der KI nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann, dann sollte man davon absehen. Wenn Netflix mir einen Film vorschlägt, der sich im Nachhinein als schlecht erweist, dann hat das für gewöhnlich keine negativen Konsequenzen für mich. Bei der Entscheidung darüber, ob jemand eine Stelle oder einen Kredit bekommt oder nicht, sieht das anders aus. Als positives Beispiel nennen Chabria und Bessant die virtuelle Assistentin Erica der BoA. Erica wird bereits von 8 Millionen Kunden verwendet. Erica hilft den Kunden dabei, ihre Finanzen besser zu verwalten. Das geschieht u.a. dadurch, dass Erica proaktiv auf Transaktionen hinweist, die aus dem Rahmen fallen.

Die BoA hat eine online technology and operations university ins Leben gerufen, bei der 95.000 Mitarbeiter Kurse belegen können. Es sei ein Mythos, dass man tiefe Kenntnisse von Phyton oder Java benötige, um KI-Systeme verstehen bzw. beurteilen zu können. Anders als häufig zu hören und zu lesen ist, ist man bei der BoA davon überzeugt, dass der Einsatz von KI unter dem Strich zu keinen massiven Arbeitsplatzverlusten führen wird und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt leistet.

Ein bißchen Paranoia kann dennoch nicht schaden.

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