Daten-Genossenschaften

Von Ralf Keuper

Die Gründung von Genossenschaftsbanken für Daten war auf diesem Blog bereits häufiger ein Thema, wie in The New Data Deal. Wenn Daten wie ein Wirtschaftsgut be- und gehandelt werden, dann ist es eigentlich nur folgerichtig, wenn wir so etwas wie Daten-Genossenschaften bekommen. Dieser Ansicht ist jedenfalls Hans-Jörg Naumer in Die Facebook-Genossenschaft.

Darin regt er, als Gegenmodell zu den großen Digitalen Plattformen wie Google oder facebook, die Gründung von Daten-Genossenschaften an.

Als Vorteile der Daten-Genossenschaften führt er an:

  • Dateneigentum
  • Verfallsdatum
  • Kontrolle

Die Daten sind an die Digitale Identität bzw. die Digitalen Identitäten der Nutzer gekoppelt. Die Frage nach dem Dateneigentum, die noch immer kontrovers diskutiert wird (Vgl. dazu: Digitale Gesellschaft: Mit Daten zum neuen Reichtum?), ist darin klar zu Gunsten der “Erzeuger” beantwortet. Die Erträge aus den Daten gehören damit ihnen – zumindest anteilsmäßig.

Die Daten-Genossenschaft erhält den Status eines Club-Guts. Die Mitglieder übernehmen dabei die Kontrolle darüber, wer beitreten darf und wer nicht. Wer den Wert der Genossenschaftsanteile senkt, z.B. durch die Verbreitung von “Fake News” oder Hassreden, wird ausgeschlossen oder sein Beitritt abgelehnt.

Das läuft in der Summe auf die Wiederbelebung der Gedanken Friedrich Wilhelm Raiffeisens hinaus, der im 19. Jahrhundert mit den Genossenschaften ein Gegengewicht der “Normalbürger” gegen die großen Konzerne bilden wollte. Ohne Zusammenschluss, ohne eigene Verhandlungsmacht, wären die Selbständigen der damaligen Zeit als Erzeuger von Waren und Gütern von den großen Trusts mit einem Almosen bezahlt worden. Der Mittelstand, so wie wir ihn heute kennen, wäre kaum entstanden. Die Nutzer als Erzeuger der Daten benötigen heute ebenfalls Institutionen, die ihre Rechte gegenüber den Datenkonzernen vertreten, und ihre Ansprüche geltend machen.

So etwas wie eine Daten-Bank e.G.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt u.a. eine Vortragsreihe an der Universität Siegen, die sich unter dem Titel “Zwischen Revolution und Reform” mit dem Wirken bzw. der Aktualität von Karl Marx und Friedrich Wilhelm Raiffeisen beschäftigt.

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