Bitcoin 2.0 und die Zukunft des Geldes

Von Ralf Keuper 

Wenn es nach den Vorstellungen der Verfechter digitaler Währungen geht, dann sind die Tage des “herkömmlichen” Zahlungsverkehrs gezählt. Möglich machen soll diesen epochalen Wandel die neueste Generation digitaler Währungen, die, wie Sidechains, Ethereum und Zerocash, unter dem Begriff Bitcoin 2.0 zusammengefasst werden.

In seinem Beitrag The Future of Money streicht Greg Satell die großen Chancen heraus, die sich durch die Verwendung digitaler Währungen wie Bitcoin ergeben. Mit Verweis auf den Beitrag Bitcoin 2.0: Sidechains And Ethereum And Zerocash, Oh My! kommt Satell zu der Überzeugung, dass  noch zahlreiche unentdeckte Einsatzmöglichkeiten digitaler Währungen existieren.

In dem erwähnten Artikel auf TechCrunch heisst es dazu am Beispiel des Bitcoin 2.0 Projekts Ethereum:

Ethereum is another separate project scheduled to launch its “genesis block” this winter. You have to admire its creators’ ambition: its blockchain supports a full Turing-compete programming language intended to power not just programmable money but also financial derivatives, voting systems, identity registries, reputation systems, decentralized file storage, decentralized autonomous operations(!), and more. They recently raised 30,000 bitcoins, or some $14 million at current prices, by selling their own currency, “ether,” and its blockchain’s “genesis block” is due to launch this winter.

Das ist nicht nur reine Zukunftsmusik. An der technischen Realisierbarkeit wird es kaum scheitern.

Zentrale Frage ist und bleibt, inwieweit digitale Währungen in der Lage sind, Vertrauen zu skalieren. Ist das nur ein mathematisches Problem? Für den “Bitcoin-Anarchisten” Amir Taaki lässt sich die Frage nicht auf die Blockchain reduzieren. Entscheidend sei weniger die Technologie, sondern die Erzählung drum herum, das Narrativ:

In fact, the technology by itself is worth nothing. What is important is the narrative, or the ideal that is being constructed through that narrative.

Stand heute ist die Frage offen, ob digitale Währungen wie Bitcoin das neue Geld oder gar, wie die Bitcoin-Evangelisten Dug Campbell und Andreas Antonopoulos meinen, Bitcoin das Internet des Geldes ist.

Weitere Fragen sind: Welche Rolle spielen Brückenwährungen wie Ripple oder alternative Währungen in Zukunft? Welche Standards setzen sich durch?

So viel darf aber jetzt schon als gesichert gelten: Digitale Währungen sind mehr als nur eine Laune von mit einem Übermaß an Phantasie und Freizeit ausgestatteter Nerds. Die Auswirkungen auf das Banking sind noch nicht absehbar. Sie könnten jedoch gravierend sein. Vielleicht noch nicht mit Bitcoin 2.0 – aber mit Bitcoin 3.0?

Auch Unternehmen, die sich an der Spitze der technologischen Entwicklung sehen, wie Apple mit Apple Pay, könnten schneller als ihnen lieb ist, unter den Bitcoin 2.0 – Zug geraten. Friedemann Brenneis jedenfalls erkennt in Bitpay eine ernste Bedrohung für Apple Pay.

Es bleibt spannend. Der Zug rast weiter.

Dieser Beitrag wurde unter Banking, Digitale Währungen, Distributed Ledger Technology, Graphentechnologie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.